Welpenschutz in Beziehungen

Liebes Tagebuch,
Welpenschutz besagt, dass Welpen angeblich bei älteren Hunden eine weitreichende „Narrenfreiheit“ hätten, von ihnen nicht angegangen und nicht verletzt würden; für menschliche Beobachter stelle sich diese Zurückhaltung als biologisch-sozial bedingte Toleranz dar. Wikipedia 2019.

Diese süße Narrenfreiheit. Ich glaube, die hat mein Freund manchmal auch.

Manche nennen es blind vor Liebe, andere den rosaroten Blick durch die Brille. Ich nenne es Welpenschutz. Mein Freund hat einen ganz klaren Welpenschutz. Ursprung dieses an mir zu beobachtendes Phänomen ist wohl eine Mischung aus dem Beduseltsein der Gefühle zu ihm und dem Wunsch, ihn so gut es geht so zu lassen, wie er ist.

Erkennungszeichen hierfür sind diese Zurückhaltung bei all den kleinen Dingen, die ich so nicht machen würde und die Großen, die mich verletzen könnten, obwohl er das gar nicht möchte. Diese sozial bedingte Toleranzgrenze bei Dingen, die mich andernfalls nerven würden. Dieser sanfte Umgang mit meinen Ewartungen oder Wünschen im Bezug auf ihn, die ich andernfalls energischer angehen würde. Diese Rücksichtsnahme auf alles, was er von sich gibt. Diese Geduld für die Dinge, die er tut, die ich nicht verstehe.

Ist das nun etwas Gutes, weil er sich durch diesen geschützten Raum frei entfalten kann oder wird mir dieser irgendwann zum Verhängnis weil es fälschlicherweise als Freifahrtsschein für konsequenzfreies Verhalten genutzt wird?

5 Kommentare

  • Jeraph

    Hi, also ich kenne diese Art von Welpenschutz. Nun, ich bin nun 13 Jahre in einer Beziehung. Ich habe diesen Welpenschutz einmal wirklich hinterfragt. Da waren wir etwa 8 Jahre zusammen. Ich habe aber bemerkt, dass ich diesen Schutz ohne es zu merken und auch ohne dass mein Schatz ihn groß bemerkt, auch oft genießen darf. Warum, ohne dass er es merkt? Ganz einfach, ich mache mir 1000 und einen Gedanken mehr als er. Und so macht er sich gar keine Gedanken ob er es anders machen würde. Und ich denke, dass ist das Problem am Welpenschutz. Wir machen uns überhaupt diese Gedanken.

    Heute habe ich gelernt, das das doch oft MEINE Erwartungen an eine Situationen sind. Warum sollte mein Partner dazu verpflichtet sein, diese einzuhalten, diese Erwartungen überhaupt kennen sollte. 😉 (Ausgenommen sind hier Absprachen, da er sie daher halt kennen sollte. Aber auch hier die Frage: hat er überhaupt verstanden worum es mir geht? Und ich die Diskussion es wert, oder a)mache ich es lieber kurz selbst oder b) lasse ich es ihn einfach mal „anders“ machen und bin damit zufrieden? )

    Das ist ein ganz spannendes Thema, und jeder muss für sich selbst entscheiden wie viel Welpenschutz er gewährt und wie lange. Aber unterm Strich gibt es doch einen Grund weshalb wir genau diesen Menschen lieben, und auch die Art die Ding anders zu machen als wir selbst, oder?

    Ich wünsche dir einen schönen Abend,
    Liebe Grüße
    Jeraph

    • Jana Pimienta

      Guten Morgen,

      es ist so cool von Dir zu lesen – scheint, als machst Du ähnliche Veränderungen durch.

      Ich habe folgendes Problem. Ich spüre in dieser Beziehung das erste Mal den Wunsch ihn so zu nehmen, so zu lieben wie er ist. Ich mag diese Gegensätze so sehr und meine Wunschvorstellung ist die, ihn bedingungslos zu lieben. Ich arbeite da nun eine ganze Weile dran, denn ja, am Anfang ist es Arbeit. Weil das eben noch ein neues Modell ist. Weil das Ego, meine Emotionen und vor allem das Bedürfnis nach Sicherheit mir immer wieder einen Strich durch diese Rechnung macht. Gerade weil man es anders gewöhnt ist. Mein großer Wunsch sieht wie folgt aus, ich finde, das beschreibt es ganz gut: Ich will ihn so stehen lassen, wie er ist. Ich will ihn dabei begleiten, wie er das Leben führt, das er möchte und der wird, der er sein möchte und nicht dabei begleiten wie er das Produkt ist und lebt, was dadurch entsteht, dass ich Erwartungen stelle.
      Er ist für seine Gefühle verantwortlich und ich für meine. Er ist nicht dafür da, meine Bedürfnisse zu befriedigen
      Das ist mein Wunsch. Nun erlebe ich Phasen, in denen ich schon diese Leichtigkeit und diese Entspannung spürte und auch diese Kraft durch diese Art zu denken. Weil ich alles in mir finde an manchen Tagen fühlt es sich an als ob mir nichts passieren kann. Er muss nichts erfüllen und ich bin für mich verantwortlich.
      Und dann kommen diese Tage, da wird mein Ego so laut und meine Unsicherheit und dann bricht alles zusammen und ich habe das Gefühl, ich habe bedingungslose Liebe leben damit verwechselt, meine Wünsche nicht zu äußern und alles hinzunehmen, was kommt und mich über Gutes zu freuen und über das andere einfach hinwegzusehen. Dann bin ich wieder am Anfang und irgendwie verwirrt.
      Kennst Du das?

      Es ist schön von Dir zu hören, wie Du Deine Beziehung beschreibst.
      Herzliche Grüße
      Jana

      • Jeraph

        Hi, habe gerade nur kurz Zeit, später bzw morgen gern mehr.

        Natürlich kenne ich diese Phasen. In denen solltest du dich ehrlich fragen ob sie Angst wirklich daher kommt, dass du wünsche Bedürfnisse nicht äußerst, oder ob es die Angst davor ist.

        Im ersten Fall steht dann die Frage an warum du Dinge nicht äußerst. Brauchst du diese Dinge oder hast du aus gutem Grund darauf verzichtet, nämlich weil es eigentlich nicht wichtig war. Dann ist es nur dein ego. Kannst dich zurücklehnen. 😉 Spaß vergeht wenn du die Angst mal unter die Lupe nimmst.

        Generell stehe ich meinem Partner auch genauso gegenüber. Und es bringt etwas, er weiß was er an mir hat wenn die Kollegen mal wieder über die weiber meckern. Dann kommt er nach Hause und sagt plötzlich das ich die Beste für ihn bin. Und das nicht weil ich mich komplett zurück nehme sondern wegen dem was du beschrieben hast. Und dann lässt er mich auch so verrückt sein wie ich selbst es nun mal bin. 😁 Auch wenn er nicht alles versteht was ich tue. XD

        Ich glaube eigentlich war die Antwort schon ausreichend oder? ^^

        Liebe Grüße
        Jeraph

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