Filter – komm, wir füttern Deinen virtuellen Selbstwert

Erinnert ihr euch noch an die SchülerVZ-Zeit? Ich weiß noch wie mein 15 Jähriges Ich stundenlang am Pc saß, um mit diversen Fotobearbeitungsprogrammen, an die ich ran kam, reihenweise die selbst geschossenen Fotos von mir oder Freundinnen zu bearbeiten. Eigentlich war es schon damals das gleiche Schauspiel wie jetzt. Immer nach dem gleichen Prinzip. Je größer die Komplexe und Selbstzweifel an diesem Tag waren desto bearbeiteter waren meine Fotos. Und jetzt versetzt euch nochmal in das Selbstwertgefühl in diesem Alter – demnach waren sie eigentlich fast immer extrem überbelichtet oder der Kontrast auf perverseste Weise aufgedreht, dass man teilweise nicht mal sagen konnte, ob das ein aufgenommenes Foto einer Digitalkamera war, was ich da hochlud. Und es wirkte. Ich bekam Komplimente für diese Darbietung.

Was diese mit mir machten ist der Ursprung der Gefühle, die diese auch jetzt in mir auslösen. Diesen komischen Beigeschmack durch das was ich da tue. Innerlich gab ich nicht viel darauf. Schon als 15 Jährige nicht. Jedes Mal, wenn ein Typ mir schrieb: „Du bist so hübsch“, hatte ich irgendwie den Drang ihn korrigieren zu wollen, dass ich am liebsten direkt klarstellen wollte: „Danke, Du meinst, meine Fotos sind hübsch bearbeitet“ Ich weiß noch, wie mich damals schon irgendwas störte und irgendwas davon ist geblieben.

Genau dieses Gefühl ist es auch, was mich heute nicht verstehen lässt, wie man aus Komplimenten für ausgewählte Fotos von in bestes Licht gesetzten Ichs in einem in die beste Szene gesetztes Leben, Anerkennung beziehen kann.

Aber dennoch scheint es ja zu funktionieren. Es ist mir ein Rätsel wie Menschen aus ihrem Instagram-Account Selbstwert aufbauen können. Ich verstehe es nicht. In mir würde bei jedem einzelnen netten Kommentar, der vom Sender als Kompliment gedacht sein sollte, das Verlangen angefeuert werden, zu antworten: „Danke, dass Dir meine Technik Bilder zu bearbeiten oder mich in Szene zu setzen, mich zu schminken oder mein Essen zu dekorieren, gefällt.“

Blenden das andere Menschen aus und die Komplimente gehen unbearbeitet aufs eigene Ich über? Steigt der Selbstwert dadurch, dass die Komplimente für die bearbeiteten Bilder unbearbeitet ins Gehirn übergehen und die gleiche anerkennende und wohltuende Reaktion an Gefühlen auslösen wie ein Kompliment im echten Leben, beispielsweise für etwas, was man gut kann?

Vielleicht ist es auch die Angst oder ein bisschen Neid. Nicht auf diese Personen oder deren inszenierten Lifestyle, den kann jeder online aufbauen, der das möchte. Nicht auf die Mittel es so zu inszenieren, denn auch die stünden mir täglich zur Verfügung. Sondern vielleicht ist es Neid, dass das vielleicht wirklich schon ausreicht und ich es nur nicht verstehe durch mein Denksystem.

Vielleicht ein bisschen dieses Gefühl von: Haha, Pech gehabt. Es ist wirklich so einfach aber funktioniert bei Dir nicht. So einfach wie es ist auf bearbeiteten Schwarzweiß-Fotos mit Weichzeichner, für eine große Masse gut auszusehen. Aber Pech gehabt. Denn Du denkst und hinterfragst zu viel. Vielleicht ein bisschen Neid, dass es da eine Welt gibt, zu der ich nicht gehöre. Durch meine Art zu denken es mir unmöglich ist den Zugang zu finden. Dass ich nicht aus fehlendem Wissen, fehlender Kreativität oder Motivation keine Eintrittskarte für diese Party habe, sondern einfach durch mein reflektiertes Denken niemals an dieses Ticket herankommen könnte. Für mich gibt es dadurch keinen Zugang zu diesen einfachen Mitteln, um an dieser Art der Anerkennungsgewinnung teilzuhaben.

Aber jetzt nochmal fürs Verständnis – wie ist das? Gibt es einen separaten, virtuellen Selbstwert? Oder nur das allgemeine Selbstwertgefühl und die Profile sind direkt mit diesem verknüpft? Fließt da alles auf ein und dasselbe Selbstwertgefühl-Konto? Und ist es hierbei so, dass die Installation dieses direkt verknüpfenden Widgets wirklich wieder nur denen zur Verfügung steht, die diese Übertragung gar nicht erst in Frage stellen?

23 Kommentare

  • miesvandenbergh

    Hallo Jana, wenn ich den Menschen vor der Kamera begegne, die einen solchen von Dir beschriebenen Account z.B. auf Instagram führen, ich mit ihnen über die Herangehensweise sprechen kann, so komme ich zum Schluss, dass die Zahlen von Likes und Kommentaren, besonders aber die der Follower direkt in das Selbstwertgefühl einfließen. Unbeachtet der Tatsache, dass es sich um rein virtuelle Werte nahezu ohne wirkliche Substanz handelt, werden Zeiten zur Veröffentlichung von Posts und Storys minutiös umgesetzt, viel Lebenszeit in die Accounts gesteckt und auch sonst viele Ressourcen (Geld) investiert. Rückschläge nehmen schon dramatische Züge an.
    Zugegeben, anfangs war ich auch enttäuscht, wenn ein Bild bei IG trotz vieler Vorbereitungen und besonderer Maßnahmen von Model, Visa, Stylisten, Helfern und mir nicht mehr Likes bekam, als ein modischer Schnappschuss, aber Qualität, das musste ich vor Jahren erkennen, hat nichts mit Likes zu tun, da sind Reichweite und z. B. gekaufte Follower viel entscheidender.

  • miesvandenbergh

    …. war noch gar nicht fertig…. 😂
    Die Frage ist, was bleibt im „Richtigen Leben“ übrig, wenn die Accounts mal weg sind. Und was ist mit der tatsächlichen Veränderung, dass soziale Kontakte mehr und mehr virtuell werden und unverbindlicher. Sehe ich skeptisch.
    LG und danke für Deine Aufmerksamkeit, Olaf

    • Jana Pimienta

      Lieber Olaf,

      vielen Dank für Deine Rückmeldung. Ich habe mich richtig gefreut.
      Du hast ja genau meine Fragen aufgegriffen.
      Es ist super von direkten Erfahrungen zu hören, um es zu verstehen.
      Das scheint dann wirklich zu funktionieren und wenn man sich dadurch wirklich gut fühlt, ist das ja auch absolut positiv. An allem was einem mehr Selbstwert schenkt, sollte man dran bleiben. Dann ist es wahrscheinlich genau das, wo ich eben vielleicht nicht mehr hinkomme.
      Wie siehst Du selbst das?
      Ich verstehe Deine Skepsis im Bezug auf das was dann bleibt.
      Außerdem finde ich die Frage auch total spannend: Was macht es mit einem, wenn man nun darin aufwächst? Wie ist das eigene Selbstbild? Spannend wird es auch, wenn man schon von Geburt an mit diesem Filtertrend aufwächst.

      Herzliche Grüße
      Jana

      • miesvandenbergh

        Liebe Jana,
        Gerne, davon lebt ja auch WordPress, unsere Blogs, die zwar auch meist nur virtuell sind, in meinen Augen aber einen anderen Austausch zulassen, als Instagram.
        Ich bin da eher skeptisch, was das Funktionieren dieser vermeintlichen Selbstwertsteigerung angeht. Haben die Menschen ein Selbstbewusstsein, so wird es nicht durch beispielsweise zu wenige Likes angekratzt. Ich für meinen Teil bin wie Du anders groß geworden, da erreicht man sein Selbstbewusstsein durch Aktion und Reaktion wie zuverlässigem Handeln. Ganz zu schweigen von der Erziehung, die vielleicht den größten Stellenwert hat.
        Wenn man darin aufwächst, damit groß wird, diese Frage stelle ich mir auch, schon mal nur als Überlegung, wenn ich die sinkende Fähigkeit zur persönlichen Kommunikation beobachte. Wie soll es werden, wenn irgendwann mal nicht-virtuell kommuniziert werden muss? Für einen gelbhaarigen Politiker scheint es zu passen… 😂
        Das reale Leben wird es wahrscheinlich richten, der Prozess wird vermutlich ein sehr schmerzhafter sein.
        Meine Kinder sind digital ziemlich affin, zu überdenken in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass Eltern im Distrikt Sillicon Valley ihren Kindern fast ausnahmslos erst ein Handy mit 18 gestatten. (Wenn das nicht auch wieder Fake-News sind😅) Als eines meiner Models (die es werden möchten) nach Hamburg in eine Modelagentur eingeladen wurde, war sie und ihre Mutter nahezu sprachlos, nachdem sie sahen, wie „normal“ die anderen Models „life“ aussahen, die sie trafen!

        LG Olaf

        • Jana Pimienta

          Lieber Olaf,

          Ja, gerade das Ding mit der Kommunikation. Wie viel wegfällt und wie einfach es einem gemacht wird..
          Der Prozess wird warhscheinlich nur als schmerzhaft bewertet werden für die, die einen Nachteil darin sehen. Die der Meinung sind, dass dadurch ein Mangel entsteht oder etwas Gutes wegfällt.

          Ja, diese Gedankenexperimente kenne ich, da gibt es irgendwie ganz viele..
          Oh, das ist total spannend von Deinen Erfahrungen zu lesen. Gerade durch Deine Arbeit und spannend auch Deine Sicht als Vater.
          Und im letzten Teil gibst Du mir noch eine kleine Dosis schöne Realitätsfakten mit. 🙂
          Danke für Deine Offenheit. 🙂

          Herzliche Grüße
          Jana

      • Jeraph

        Hm, hier will ich widersprechen. Nicht alles was dein Selbstwertgefühl steigert sollte man beibehalten. Nein, gerade dort sollte man oft hinterfragen warum es das tut. Ich glaube, weil viele diese Einstellungen vertreten gibt es diesen ganzen virtuellen Müll. Aber wie Olaf sagte, was bleibt ohne Acc? Was passiert wenn das Leben zuschlägt?

        Ist es das wohlplatzierte Essen. Das leider kalt wird, während der Teller ein fünftes Mal gedreht wird? Oder ist es der Geschmack des ersten Essens in deinem Lieblingslokal.

        Oder um beim Selbstwert zu bleiben: was ist wichtiger, nährender für die Seele? Das Foto mit dem hübschesten Typen, gestylt, 2 Stunden im Bad gewesen. Und nachdem das Goto gemacht wurde habt ihr nix zu reden. Oder einen Abend, kuschelig auf dem Sofa ohne cams, einfach nur zu zweit, ohne danach damit zu prahlen und mit Beweisfotos zu wedeln?

        Ach, und zur Psychologie dahinter, wie gesagt, ja das Hinterfragen ist der Schlüssel. Du selbst schaffst deine eigene Realität, weil sie eh nur für dich besteht. Du könntest das auch. Rein vom Physikalischen und Psychologischen könntest du. Allerdings scheinst du es gar nicht zu wollen. Es ist einfach die Furcht, nicht zu sein wie die anderen. Ist doch nicht schlimm, dann bist du halt wie die einen. 😉 So oder so, du bist nie allein. Eben nur nicht so wie die Faker da draußen. 🤣 Ich bin froh drum, das du so bist und so klasse Texte schreibst.

        Liebe Grüße
        Jeraph (echt langer Tag, ich ärgere mich sehr, dass ich geschriebenene Kommis nicht ändern kann.)

        • Jana Pimienta

          Haha, genial, habe gerade auch dazu meine Antwort geschrieben und genau das auch erst mal als Theorie aufgestellt: Wenn man etwas hat, was einem Selbstwertgefühl gibt, ist das gut. Wahrscheinlich aus der Perspektive gedacht, dass man keines hat. Aber stimmt, bevor man sich dann ein Modell angewöhnt, was sich irgendwann als Nachteil entpuppt…. aber dann war es vielleicht immer noch das Beste zu Deiner derzeitigen Version.
          Ich muss sagen, auch das werde ich jetzt mal überdenken.. 🙂

          Ich kenne das mit dem müde sein und dann zu schnell abschicken, das macht gar nichts.
          Habe einen tollen Abend, Danke für Dein Feedback. 🙂

          • Jeraph

            Hm, dann hab ich bloß noch einen Vorsatz für deine Gedanken, denn das ich was ich immer denke : „ALLES was mir ein gutes Gefühl gibt UND keinem schadet“ ist gut und darf beibehalten werden.

            Ich kriege einen Würgereiz wenn ich sehe wie viele AssiTV schauen, auch auf YT schaut man Videos, von leuten die man voll bescheuert findet, um sich über diese auf zuregen.

            Ich mein es gab das immer schon, wer hat sich damals nicht über Verona Feldbusch lustig gemacht und dabei ach so toll gefühlt? Ich habe allerdings das Gefühl, das auch das total Überhand genommen hat. Ich weiss, dass ust nun ein komplett anderer Ansatz. Sorry, bin iwie vom Thema abgeschweift. 😇

            Dir auch nen tollen Abend

  • ballblog

    Liebe Jana,

    welch schöner Gedankengang Deinerseits!
    Zwei Dinge fallen mir dazu ein. Zum einen, daß Du die Eintrittskarte zu dieser Selbstbespiegelungs- „Party“ ja gar nicht willst. Also: alles gut für einen reflektierenden Menschen wie Dich.
    Zum, anderen: Ja, Likes sind vergleichbar der Quote, die „richtige“ Sender ja auch beachten.
    Und – viel schlimmer – Rezipienten sind sehr oft nicht mehr dazu in der Lage, zwischen virtueller und realer Welt zu unterscheiden. Glauben, scripted reality sei die Wirklichkeit. Und so ist es auch mit bearbeiteten Fotos. Was uns – ich erlaube mir mal, für uns beide zu sprechen – nur den Kopf schütteln läßt.
    Herzliche Grüße,
    Heinz

  • ballblog

    Liebe Jana,

    irgendwie scheint mein Kommentar verloren gegangen zu sein, daher nochmal. 🙂

    Ich denke, auf diese „Party“ der Selbstbespieglung wilst Du ja eigentlich gar nicht, oder? Und das finde ich für einen reflektierenden Menschen wie Dich auch ganz normal.
    Allgemein, denke ich, diese Likes sind halt sowas wie die Quote im TV- Bereich. Und Du glaubst gar nicht, wie viele Rezipienten dort scripted reality für die wirklichkeit halten, Das ist erschreckend. Warum also soll das im virtuellen Bereich bei getuneten Fotos nicht ähnlich funktionieren? Leute wie Dich und mich läßt das nur den Kopf schütteln, ich weiß…
    Herzliche Grüße,
    Heinz

  • Jeraph

    Wieder einmal hallo!
    Ich musste iwie die ganze Zeit schmunzeln als ich das las. Zum Teil, weil auch ich mir zeitweise diese Fragen stelle.

    Allerdings bricht mein Verständnis in dem Moment in dem bei dir der Neid beginnt. Ich mein worauf sollte ich neidisch sein? Ich gönne es den anderen Menschen, dass sie nicht hinterfragen. Es scheint für sie gleich zu sein ein Kompliment für etwas echt oder einen fake zu bekommen. Das ist reine Psychologie. Dadurch, dass sie nicht hinterfragen bzw es die sie ganz natürlich ist Fotos zu bearbeiten genießt ihr Gejirn Endorphine und Dopamin. Ok. Für mich ist das nichts. Ich will für echte Dinge geliebt werden. Denn dann bin ich immer sicher, wenn zum beispiel mein Drache mich lobt, ihm etwas gefällt dann ist auch das echt.

    Und ja, ich habe kein Ticket für die Vorstellung. Lol, ich hätte auch gar keine Zeit. Denn ich betrete einen Kaninchenbau der so spannend, fordernd, toll und schrecklich ist wie nichts anderes, das Leben. Mit meinen echten Gefühlen. Ohne Maske. Oder vielleicht doch mal ein Maskenball? Dann tragen jedoch alle Masken und es heisst LARP. 😂.

    Und liebe Jana, zu dieser, unser Vorstellung haben sie kein Ticket. Und werden es nie haben. Dann komme ich zu dem Schluss, dass mir diese Leute leid tun. Doch sie bekommen ja ihre Botenstoffe, also scheint es nur für die schlimm, die die andere Seite Welt kennen und lieben.

    Viele liebe Grüße,
    Du bist nicht allein auf der anderen Seite des Spiegels😘

    • Jana Pimienta

      Hey Du,

      Danke Dir. 🙂
      Ich möchte hier öfters mal Texte hochladen, egal ob gerade abgetippt oder etwas älter, bei denen kann es sein, dass ich noch am gleichen Abend drauf schaue und schon wieder ganz anders sehe. Kennst Du das? Das liegt vor allem daran, dass sie häufig emotional aufgeladen sind, ich beim Schreiben nach den nächstmöglichen Wörtern zum Ausdrücken greife um diese emotionale Akut-Situation am besten beschreiben zu können, um mir diese wiederum bewusst zu machen. „Aufgeräumt“ wird dann hinterher. (Zum Beispiel was ich nun wirklich fühlen will oder wieder in meinem Kopf Platz finden soll.)
      Nichtsdestotrotz finde ich es gut, wenn ich auf Dinge angesprochen werde, bei denen ein Leser nicht mitgeht. 🙂

      Du hast natürlich vollkommen Recht.
      Ich bin im Gesamten nicht neidisch. Mehr noch, Neid muss es da gar nicht geben.
      Ich denke auch, wenn es für diese Menschen so funktioniert, das ist was Gutes. Alles, was einem Selbstwertgefühl gibt, sollte unbedingt weiter beibehalten werden. Du beschreibst es so gut, ja, es sind letztendlich Botenstoffe. Wie wir unsere freisetzen oder anfeuern, ist letztendlich egal. Solange wir ein Mittel haben ist es wunderbar! 🙂
      Vielen lieben Dank, Du hast meinen Abend gerade noch ein bisschen mehr versüßt, denn jetzt muss ich extrem schmunzeln, ja, wie es scheint von der gleichen Seite des Spiegels.. 🙂

      Herzliche Grüße
      Jana

      • Jeraph

        Hi, na bei mir ist das Schreiben meist der Prozess. Aber ja auch das kenne ich. Genau deshalb frage ich mich manchmal ob ich überhaupt nen Kommi schreiben soll, weil es ja eben nur eine Momentaufnahme ist. Aber mein Kommi ist das ja iwie auch. Deshalb tu ich es meist trotzdem😂

        Ich habe hier bei vielen meiner eigenen Beiträge oft diese Frage „und das hast echt DU geschrieben?“, manchmal hängt mein Kopf dann nicht ein „krass.“, oder „gar nicht so schlecht“ dran. Ich hatte schon vor meinem Blog für diesen Teil meines Kopfes zu follown. So ein „ich folge mir selbst-ding“ 🤣ich weiß, ich weiß, ich bin so was von nicht normal. Aber genau das bin und bleibe ich!

        Nun lese ich deinen nächsten Kommi 🤣 herrlich

  • schokomoon

    Hallo, vielen Dank für deinen schönen Text. Auch mich beschäftigt diese Frage sehr und ich selber ertappe mich immer wieder dabei, wie ich in diese Falle der bearbeiteten Fotos trete (indem ich meine Fotos gerne bearbeite…vor allem die Profilbilder, da mein Körper zu fett für diese Welt ist). Bei Instagram war ich nur kurz und bei Facebook viel zu lange. Was mich so wundert oder sagen wir besser „abstößt“ ist es, dass die Generation Instagram wahrscheinlich nicht viel kann. Sie wirken makellos und durchtrainiert, aber was können sie wirklich?! Was haben sie gelernt? Beherrschen sie ein Handwerk und können sie den Alltag wirklich bestehen? Fällt ihr selbstgebautes Kartenhaus nicht überschnell zusammen, sobald die Alltagsanforderungen kommen? Was sind sie außer Hüllen, Narzissten und Mitläufer. Mich erschreckt diese Vorstellung, dass sie die nächste Generation bilden. Sicher klingt das jetzt alles sehr pauschal und undifferenziert. Dennoch bleibe ich dabei: was KÖNNEN diese Leute- außer sich gut um sich selber drehen?

    • Jana Pimienta

      Liebe Manuela,
      Danke für Deinen Kommentar. Schön, dass Dich der Text zu anspricht und ich nicht alleine bin mit manchen Gedanken!
      Ich weiß wie Du das meinst.
      Ich weiß genau was Du meinst. Bis vor einiger Zeit konnte ich Instagram nicht aushalten, weil es mich zu sehr triggerte und ich dauernd in den Vergleich rutschte.

      Was diese Menschen können oder nicht, können wir gar nicht einsehen. Aber ich verstehe es, dass Du Dir vorstellen kannst, dass es nicht viel sein kann. Eben weil diese Darstellung so „einfach erscheint“. Aber vielleicht ist das auch schon der Grund?
      Durch Deinen Vergleich klingt es, als kannst ob Du von Dir sagen, dass Du auch einiges richtig gut kannst und das ist super! Du hast wahrscheinlich auch den Wunsch dafür gesehen zu werden und nicht für eine Oberfläche. Ist es so? Verstehe ich voll!
      Das möchte ich auch aber ich bemerkte dennoch bei mir: innerlich war es irgendwie auch der Wunsch nach einer Erklärung für mich. Als ich mich nicht besonders mochte, wollte ich genau das glauben, dass diese Menschen nicht mehr können als das. Eben weil es auch so schön einfach erscheint.
      Als ich mich selbst nicht besonders mochte, habe ich mir das auch gerne so erklärt.
      Als ich diesen Ursprung erkannte, habe ich gemerkt: Dann ist es wieder eine Art Vergleich und den brauchst Du gar nicht beginnen..stecke diese Energie lieber in Dich und Deinen eigenen Selbstwert, da ist sie viel besser aufgehoben. 🙂
      Wenn Du Sätze sagst wie: „Das will keiner sehen!“, lass Dir sagen: Ich persönlich spüre eine Erleichterung und freue mich total, wenn ich Fotos im Internet von Frauen finde, die menschlich aussehen, von Frauen die echt aussehen, so wie ich sie in meinem Leben auch mir herum sehe und mich haben möchte, die ihre vermeintlichen Makel (sind keine – sind nur von außen so bezeichnet, wenn überhaupt) zeigen. Von Frauen, die wie Frauen aussehen. Und es ist schlimm, dass ich erst mal danach suchen muss und mir das sogar wünsche und es nicht einfach normal ist, diese Fotos zu sehen.
      Zu Instagram half mir Folgendes: Nun folge ich nur noch diesen ausgewählten Profilen, die mir genau dieses Bild vermitteln. So kann mir auch nichts passieren, an Tagen, an denen ich mich nicht so sicher fühle.

      Herzliche Grüße, und einen super Start in den Tag. 🙂
      Jana

  • miesvandenbergh

    Guten Abend liebe Jana,
    jetzt habe ich noch etwas Zeit für eine Antwort.
    Wenn ich Bilder von Menschen mache, dann geschieht das meist nicht für IG oder soziale Netzwerke in erster Linie, sondern unter der Prämisse, dass wir besondere Bilder erschaffen, die (besonders ausgedruckt) eine ganz eigene Wirkung haben. Mal zu sagen: „Mensch guck, das war auch mal ich!“ trifft es gut. Auch etwas zu erschaffen, was so etwas wie Kunst darstellt ist ein bekundetes Ziel. Klar versteht jeder etwas anderes darunter, aber es geht vornehmlich um die Protagonisten selbst. Ob langes Kleid im verwunschenen Märchenwald unter Lianen oder als Hardrock-Wesen in kalten Stahlwänden, jeder hat eigene Gefühle, die nachgezeichnet werden können, zum Beispiel mit der Kamera.

    Das aber ist weit entfernt von einem IG oder FB Profil, wo es um genaue Post-Zeiten und viele Likes geht, die man verteilen muss, damit man Feedback bekommt. Diese Bilder werden zwar auch dort gezeigt, aber sind nicht Mittel zum Zweck der Selbstdarstellung und Aufbau eines Selbstbewusstseins. Eines kann ein anderes ergänzen, aber nur rudimentär.

    Ich habe Menschen über IG oder FB kennengelernt. Dazu kann es ein probates Mittel sein, aber das Tatsächliche spielt sich erst dann ab. Man ruft an, trifft sich, fotografiert und wenn die Chemie stimmt, kommt es immer wieder mal vor. Ich bin nun kein Berufsfotograf, daher hält sich alles das in Grenzen, aber es macht mir viel Spaß. Den Menschen vor der Kamera auch und nachher wissen viele zum ersten Mal, wie überaus anstrengend es ist, Model zu sein, wenn mehr gefordert ist, als „stelldichmalhinundlächel“ Allein die Ergebnisse sprechen für sich und es kommt immer zu einem Aha-Effekt, „Mensch, gaaanz anders, als Selfies….!“ 😂

    Jetzt bin ich etwas abgekommen vom Thema, deshalb noch einen Satz zum Selbstbewusstsein. Mit der Zeit, und wie schon gesagt wurde von Jeraph, durch ständiges Hinterfragen und der richtigen Portion Authentizität bildet sich dieses Selbstbewusstsein fast automatisch. Richtige Freunde sind auch hilfreich. Das Netz kann als Katalysator dienen, nicht aber als zuverlässige Quelle. Außer, man tritt in Kontakt. (Wie auf einem Fotowalk, der überall angeboten wird. Wenn es um Bilder geht.)

    Niemals muss man werden, was erwartet wird, sondern wer man ist. Der richtige Partner wird das mit herausarbeiten. Bestenfalls beide. Das ist aber wieder ein neues Thema. 😊
    Eine gute Nacht wünsche ich Dir und allen, die so mit lesen! lg Olaf

  • frauflatterherz

    Oh meine Güte! Da sind schon einige richtig gute Kommentare zu dem Thema, wie ich finde!
    Trotzdem will ich mich auch noch unbedingt äußern mit den Gedanken, die mir bei Lesen deines Eintrags kamen:
    Zum einen ist es, soweit ich weiß, doch unser Belohnungssystem, das da bei jedem Like, bei jedem Kompliment, jeder Zuwendung, jedem Follower, anschlägt, oder?

    Ich habe Fotos von mir nie überarbeitet, weil es mir unehrlich erschien. Als ich mich zum ersten Mal bei einer Dating-App anmeldete, wählte ich sehr bewusst Fotos aus, die andere Menschen in verschiedenen Situationen von mir gemacht hatten, in der Hoffnung, dass die noch am ehesten die Realität treffen, was Selfies, die man vielleicht nicht bearbeitet hat, aber in allen möglichen Winkeln, mit allen möglichen Lichtverhältnissen und gefühlt dreitausend Versuchen (und wahrscheinlich tatsächlichen dreihundert), eben eher nicht tun. Als ich dann Komplimente bekam, war ich anfangs dazu geneigt, immer wieder zu betonen, dass es sein kann, dass ich in der Realität doch nicht so gut aussehe. Irgendwie war ich da das Gegenteil von jedem, der sich in den sozialen Netzwerken versucht aufzuwerten, aber im Grunde ist das genauso schlimm, denn beide Verhaltensweisen zeigen doch nur Menschen, die verlernt haben, sich so zu zeigen, wie sie wirklich sind, sich auch so wahrzunehmen und das annehmen zu können, so zu sein.

    Ganz oft, wenn ich auf Instagram oder sonst wo Bilder von diesen perfekten Leben sehe, mit perfekten Körpern, perfekten Gesichtern, perfektem Essen und perfekten Wohnungen, merke ich, wie mich Minderwertigkeitskomplexe überkommen und ich daran zweifel gut genug zu sein. Gleichzeitig – und das macht es so absurd – weiß ich ja, wie gestellt das normalerweise ist. Ich weiß, dass das Menschen sind, die nicht weniger, vielleicht sogar eher mehr, Probleme haben als ich. Menschen, die ebenfalls morgens manchmal mit verknoteten Haaren, Augenringen und schlechtem Atem aufstehen und beim Blick in den Spiegel am liebsten wieder direkt schlafen gehen wollen. Nur haben diese Menschen diese Sache mit dem Schein irgendwie viel besser drauf, sodass man das bei ihnen weder sieht noch ahnt. Ich frage mich oft: Nehmen denn genau diese Menschen selbst das überhaupt so wahr? Wohl kaum, oder? Ich denke schon, dass sie an das, was andere Menschen ihnen zeigen, wie sie gesehen werden, glauben. Andernfalls muss man sich doch irgendwie wie ein Lügner fühlen, der allen was vormacht. So oder so denke ich, dass man sich nicht bemühen würde, sich und sein Leben als perfekt darzustellen und nach außen zu tragen, bräuchte man nicht von außen diese Bestätigung und die Erwiderung. Wie sehr braucht jemand, der sich wirklich für toll hält, das? Ich glaube, man braucht das am ehesten, wenn man sich selbst diese Bestätigung nicht geben kann.
    Ach ich weiß auch nicht. Vielleicht sind meine Gedanken gerade etwas zu konfus oder auch zu egozentrisch. Ich habe das Gefühl, gerade meinen roten Faden verloren zu haben 😉

    • Jana Pimienta

      Guten Morgen liebes Flatterherz,

      schön, dass auch bei Dir der Text was auslöst!
      Ich finde es auch total gut, diese Schreibfluss hier und die Kommentare.
      Super Austausch!
      Ich kenne es, bei so einem Thema verliert man sich leicht..

      Das mit den Apps und den Fotos verstehe ich total, als ich die mal ausgetestet habe, habe ich das genauso gemacht. Ich habe sogar dadurch einen „Filter“ in das System gebracht, weil dann schon mal die raus fielen, die auf dieses Bild nicht ansprangen.
      Ansonsten hätte ich dadurch alleine schon ein komisches Gefühl gehabt, spätestens wenn es zu einem Treffen kam. Genau deshalb habe ich auch generell nie lange darauf gewartet. In manchen unsicheren Phasen habe ich den Männern sogar innerlich vorgeworfen, dass sie nicht wissen, dass Frauen in echt nicht so aussehen und mir ganz schönen Stress gemacht. Was aber auch einfach nur das Abgeben für Verantwortung meiner eigenen Ängste und Baustellen war anstatt in mir zu schauen, was ich machen kann.

      Zu Instagram: Genau deshalb suche ich mir nun ausgewählte Profile, denen ich folge.
      Wie ich auch zu Manuelas Kommentar schrieb, eben genau aus dem Gedanken, nicht gut genug zu sein: Ich persönlich spüre eine Erleichterung und freue mich total, wenn ich Fotos im Internet von Frauen finde, die menschlich aussehen, von Frauen die echt aussehen, so wie ich sie in meinem Leben auch mir herum sehe und mich haben möchte, die ihre vermeintlichen Makel (sind keine – sind nur von außen so bezeichnet, wenn überhaupt) zeigen. Von Frauen, die wie Frauen aussehen. Und es ist schlimm, dass ich erst mal danach suchen muss und mir das sogar wünsche und es nicht einfach normal ist, diese Fotos zu sehen.

      Du stellst genau die Fragen, die ich mit meinen auch noch hätte aufmachen können. Wie sie das selbst sehen? Wie bewusst sie sich das Ganze machen. Vielleicht findet sich ja jemand, der hier was dazu sagen kann…
      Letztendlich denke ich wirklich, sie haben ihren Weg gefunden für jetzt, um sich gut zu fühlen. Wenn es unserer wäre, könnten wir ihn ja auch gehen. Ist er, in meinem Fall aber nicht. Wie haben unseren oder sind an unserem dran. Jetzt gilt es nur noch, die richtige Energie darein zu stecken Sicherheit in diesem zu bekommen. Der erste ist das, was wir hier tun. Unsere Gedanken und damit unsere Gefühle bewusst machen um dann zu entscheiden wie wir unser Leben und unsere Gefühle gestalten möchten. Auch im Bezug auf uns. Ich arbeite, ungelogen, jede Minute daran.

      So.. bevor ich mich jetzt auch verliere..
      Herzliche Grüße, hab einen schönen Tag 🙂
      Jana

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