Kaputte Dinge in meiner Beziehung – Verschleiß oder Rücksichtslosigkeit?

Liebes Tagebuch,

Ich kenne Dein Inventar mittlerweile ziemlich gut. Und langsam auch Dich.

Mir ist schon öfters aufgefallen, dass die Geräte, die Du nutzt irgendwie fast alle kaputt sind. Auch die, die Du täglich nutzt.

Schreibst Du ihnen zu wenig Wert zu?

Vor ein paar Tagen hast Du mir noch mehr davon vorgestellt. Du entsorgst sie nämlich nicht. Vor allem Deine Elektrogeräte. Du hast mir Deine Sammlung an den Vorgänger-Modellen Deines jetzigen Handys, eins nach dem anderen vorgestellt. Sie waren alle kaputt. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Du hast sie mir alle gezeigt. Von den äußeren Makeln über zersprungene Ecken bis hin zu komplett zersplitterten Displays.

Nimmst Du zu wenig Rücksicht?

Kleine Defekte an fast allen Geräten und Dingen, mit denen Du Dich umgibst. Die meisten der Geräte sind durch Dein Einwirken kaputt gegangen. Kleine Fehler, die sie in ihrer Funktion manchmal nur minimal einschränken. Aber sie sind da.

Passt Du nicht genug darauf auf?

Du hättest die Macht auch mir kleine Schrammen zuzufügen. Durch unsere Verbindung. Emotional gesehen. Kleine Kratzer. Wahrscheinlich könntest Du mich mit Deiner Kraft auch komplett zum Zersplittern bringen. Wie diese zahlreichen Gegenstände von Dir. Ist dieses Verhalten wieder Deiner latenten Egal-Einstellung geschuldet, die im Hintergrund so oft mitläuft?

Ich will keines dieser Geräte sein. Auch wenn Du sie alle aufhebst.

Ich habe kleine Makel. Kleine Narben. Kleine Risse und hier und da einen Sprung. Vielleicht passe ich auch genau deshalb zu Dir. Denn ich war schon vorab zersprungen. Ich habe einige Schrammen und kleine Defekte. Ich bringe sie alle mit. Ich habe mich selbst um sie gekümmert. Weil Teile von mir schon zersplittert waren. Zersplittert und wieder geklebt. Ich bringe diese Teile alle mit. Vor allem bringe ich das Wissen mit, Dinge wieder zusammenzusetzen.

Ich bringe meinen eigenen Klebstoff mit. Vielleicht klebt er auch die Dinge, die Du kaputt hinterlässt. So lange, bis wir ihn gar nicht mehr brauchen.

Ich kenne Dein Inventar mittlerweile ziemlich gut. Und langsam auch Dich.


6 Kommentare

  • ballblog

    Liebe Jana,

    vielleicht auch Antwort C – Gedankenlosigkeit? Es sind halt in seiner Ansicht „nur“ Gebrauchsgegenstände und so lange sie funktionieren, machen auch kleine Macken daran keinen Weltuntergang.
    Was Dich angeht, ist der Umgang hoffentlich weitaus behutsamer und wertschätzender. Aber das kannst nur Du beantworten, ob dem so ist.
    Herzliche Grüße,
    Heinz

    • Jana Pimienta

      Lieber Heinz,

      Ja, das sind ja hier alles Momentaufnahmen, in denen ich aus einer Situation irgendwas mache. Einen Text mache. Mir meine Unsicherheiten bewusst mache durch Darstellung und beschreiben von Dingen, in die ich etwas hinein interpretiere, in diesem Moment. Um zu erkennen, was so in mir vorgeht. Du weiß bestimmt, wie ich das meine. 🙂

      Jaa, sehr guter Einwand! Ich denke aber nicht „Gedankenlosigkeit“ sondern eher: „Gedankenfülle“ – nur eben für etwas anderes. Für das, was für ihn Priorität hat. So machen wir das ja alle. 🙂

      Ich bin die, die sich manchmal noch nicht behutsam genug behandelt. 😉

      Herzliche Grüße
      Jana

      • ballblog

        Liebe Jana,

        meinst Du wirklich, daß allein Du es bist, die es an Behutsamkeit Dir gegenüber vermissen läßt?

        Weißt Du, ich finde gerade die Fähigkeit denken zu können ist eine sehr kostbare. Und sicherlich setzt man Prioritäten, worauf man seine Gedanken fokussiert. Allerdings zeugt es eben auch von Umsicht, wenn man die weniger wichtigen Dinge nicht völlig aus dem Blick verliert. Auf Menschen bezogen heißt es, denjenigen „mitzunehmen“, ihn an der eigenen Welt und der Sicht der Dinge teilhaben zu lassen. Und umgekehrt.
        Und ich hoffe, daß Du es so erfährst.

        Herzliche Grüße,
        Heinz

        • Jana Pimienta

          Lieber Heinz,

          hier geht es um die unterschiedliche Fokussierung von Dingen durch die eigenen Gedanken und die dadurch entstehende Interpretation meinerseits dieser Auswahl. Durch meinen Text mache ich mir diese bewusst um zu schauen, was ich denke und dann was ich möchte.
          Ich verstehe, dass Du nochmal nachfragst. Ich sehe das genauso wie Du – Eine andere Partnerschaft würde ich gar nicht führen. 🙂

          Herzliche Grüße
          Jana

          • ballblog

            Liebe Jana,

            danke für Deine erklärenden/belehrenden Worte. Ich hatte auch nicht vor, in Deine Deutungshoheit reinzugrätschen.
            Aber schön, wenn dieser Weg von Fokussierung und Interpretation sich für Dich als gut erwiesen hat.
            Herzliche Grüße,
            Heinz

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