Erklärst Du mir die Sache mit dem Schmuck?

Liebes Tagebuch,

Beim vielen Bewusst-machen meiner Gedanken, mache ich mir manchmal auch die unnötigsten Dinge bewusst. Nach dem Motto: Ganz oder gar nicht.

Bis auf die kurze Überlegung eventuell irgendwann Goldschmiedin zu werden, und das meiner Liebe zur Kreativität und meiner Geduld bei dieser geschuldet, bin ich, gemessen an manch anderen Frauen, absolut kein Schmuckmädchen. Ich meine wirklich so richtig gar nicht.

Ich habe zwei Armbänder, die ich beide mal von Freundinnen geschenkt bekam, zwei Uhren, die ich jeweils von Exfreunden geschenkt bekam (die eine möglicherweise deshalb, weil es die andere gab). Ich trage nichts davon. Sie liegen fast unberührt im Schälchen auf meiner Fensterbank und erhalten kaum Aufmerksamkeit, bis auf meine Blicke, die ich ihnen ab und zu zuwerfe, in der Hoffnung, es geht ihnen gut. So ganz ohne ihre Bestimmung zu leben.

Ich besaß bis vor kurzem einen Ring, den ich mir letztes Jahr selbst in Spanien kaufte. Und das weniger als Schmuckstück sondern viel mehr einerseits zum Dran-Rumspielen, für Situationen, in denen ich nicht so recht weiß, wo ich mit meinen Händen hin soll und zweitens als Art Belohnung dafür, dass ich mir endlich angewöhnt hatte, meine Fingernägel in Stressphasen in Ruhe zu lassen. Um mich daran zu erinnern, was ich schaffen kann. Ich habe ihn das Jahr über vielleicht 11 Mal getragen. Den Ring finde ich gerade nicht mehr wieder. Ansonsten habe ich nichts. Ich trage keinen Schmuck. Nein, ich habe nicht einmal Ohrlöcher.

Ich bin kein Schmuckmädchen. Ich verstehe Schmuck nicht. Ich verstehe nicht mal den Moment des sich mit Schmuck Verzierens. Ist das ein Moment, den andere Frauen nach dem Kleidung-Anziehen mit in ihre Morgenroutine einbauen? Stellen sie sich vor den Spiegel und überlegen welcher Schmuck heute passt oder tragen sie nach Lust und Laune immer eine Weile das Gleiche? Planen sie das am Abend vor? Diesen Moment gibt es bei mir irgendwie nicht. Ich verstehe das ganze Bling-Bling nicht. Ich brauche keine goldenen Kettchen um meinen Hals, keine Pailletten an meinen Jacken und keine Steinchen an meinen Taschen und Schuhen. Mich stören funkelnde Plastikperlen und aufgeklebte Steinchen an Oberteilen, Kosmetiktäschchen und Mäppchen. Sobald etwas übertrieben glitzert, kriege ich die Krise. Ich möchte Täschchen, Lampen und Kissen mit zu vielen Strasssteinchen versetzt, nicht mal anfassen. Bei denen in mir das Gefühl ausgelöst wird, man möchte diese Stelle so sehr zum Funkeln kriegen, dass es krampfhaft wirkt. Was soll dieses Funkeln denn bezwecken? Was soll es vertuschen? Will man, dass das Augenmerk auf dem Glitzer liegt und nicht auf dem Objekt selbst? Wovon will man denn ablenken? Wollen das Frauen, die Schmuck tragen? Oder empfinden sie es einfach als Verzierung und Untermalung des eigenen Körpers, Gesichts?

Neulich hatte ich dieses Bedürfnis, es mal wieder mit Schmuck zu versuchen. Passenderweise stand mein Geburtstag bevor.
Das teilte ich auch umgehend meinem Freund mit. Schließlich muss man das kurze Zeitfenster, wo ich mich auf Schmuck einlassen möchte oder mir sogar Gedanken mache, welchen Schmuck ich vielleicht schön finden könnte, schnell nutzen. Ihn beteiligen, denn wer weiß wie schnell er wieder die Chance bekommt, sich so männlich zu fühlen, wie wenn seine Freundin über Schmuck nachdenkt und es sogar kurzweilig die Option gibt ihr Schmuck zu schenken.
Ich glaube es kam deshalb, weil ich mich im Innern mal wieder so sehr nach Frau fühlte, dass ich dachte, das muss ich doch wohl durch Schmuck, als allgemein bekannte Mädchen- und Frauenauszeichnung, auch nach außen tragen.

Wie kann eine Person, die so viel Glitzer und so viel Kitsch in ihrem Kopf und in ihren Vorstellungen trägt, kein Bedürfnis danach haben, sich mit Schmuck am Körper zu verzieren? Ich bin so romantisch veranlagt und so sehr Frau in meinen Gefühlen, manchmal vielleicht sogar zu sehr Frau. Wie kann es sein, dass da Schmuck kein Teil meines Lebens ist? Ich verstehe Schmuck nicht.

Mein Geburtstag kam und mein Freund schenkte mir keinen Schmuck. 😉

5 Kommentare

  • Jeraph

    Und wieder ein mal schleicht sich ein Grinsen während des Lesens in mein Gesicht,.. und es bleibt.

    Nun, ich war immer ein Schmuckmädchen, dieser Begriff ist übrigens mega goldig! grinst weiter Tja, was will ich denn nur vertuschen? (Sorry, hab gerade mega Spaß dir zu schreiben, und beim Gedanken etwas vertuschen zu wollen kringelt sich mein Humor.) Hm, ne, vertuschen will ich nix. Als Kind bezeichnete man mich ständig als „Tannenbaum“. denn ich trug allen Schmuck, den ich fand, vorzugsweise PINK. Das hat sich zum Glück geändert. Hauptsächlich hat mein Schmuck für mich eine persönliche Bedeutung. 2 Ringe trage ich täglich, es sei denn sie verstecken sich, das kommt aber echt selten vor. Es gibt Armbänder, die trage ich einfach um mich am Tag mehrmals daran zu erinnern auch mal aus dem Trott zu kommen. Und es gibt andere Schmuckstücke, die mag ich einfach. Ich liebe das Gefühl eine enge Kette an meinem Hals zu spüren. Und den Kopf so hoch zu halten. Wieder andere habe ich von meiner Großmutter bekommen, zum Beispiel ein altes Silberarmband. Ich trage es, weile es einfach schön auf schwarzer Kleidung zu Geltung kommt. Ich führe es aus sozusagen. Es sind Freunde, Erinnerungen, und die Gedanken an geliebte Menschen, die ich mit mir tragen kann. Ja, genau das ist Schmuck für mich. Lustigrweise, habe ich bei Schmuck nicht an die Kette gedacht, die ich wirklich täglich trage, die habe ich von meinem Drachen geschenkt bekommen. die ist schon quasi ein Teil von mir.

    Liebe Grüße, ich hoffe du hattest so viel Spaß mein Lesen, wie ich beim Schreiben.

    Jeraph

    • Jana Pimienta

      Es ist so schön, wenn Du das schreibst. Dann grinse ich so beim Lesen Deines Kommentars.
      Gerade, wenn ich mir beim Hochladen denke: Was soll eigentlich dieser Beitrag? Dann gefällt mir das besonders.:D (Da schleicht sich halt manchmal noch die Bewertungsstimme mit ein, merke ich gerade)
      Ja, ich hatte super viel Spaß beim Lesen! Ich verstehe Dich und höre total gerne über die Absichten anderer Menschen. Auch für solche banalen Dinge, wo sich andere vielleicht fragen: Wieso sollte ich darüber nachdenken?
      Und wie genial, dass Du mir auch auf diese antwortest und mich und meine Gedanken ernst nimmst. 🙂

      Herzliche Grüße und eine schöne Woche
      Jana

      • Jeraph

        Aber natürlich nehme ich deine Gedanken ernst 😉😘 ich finde es schön wenn du solche Beiträge schreibst. Und antworten tu ich doch eh gern.🤣

        Ich hab für mich einfach beschlossen wenn ich so eine andere Sichtweise der Dinge habe, sollte ich sie auch ausdrücken. Und gerade deine Beiträge geben mir dafür oft die Möglichkeit und ich freue mich auch immer sehr dass du meine Gedanken und Antworten ernst nimmst und sie dir beim Lesen sogar Freude bereiten. (den manchmal hab auch ich die kritische Stimme, die sagt „du musst auch zu allem deinen Senf abgeben oder? Vielleicht interessiert sie deine Meinung gar nicht..“) Was sollte ich mir mehr wünschen? Wir wollen doch alle irgendwo gehört und bemerkt werden. Und wie du so oft schreibst für das gemocht werden was wir sind…

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