Beziehung – meine interaktive Spielreihe

Liebes Tagebuch,

Manchmal habe ich das Gefühl, zu Beginn mögen mich alle. Zu Beginn finden mich auch Männer hochinteressant. Zu Beginn und ich befürchte sogar ziemlich schnell, können sich einige auch mehr vorstellen. Klar, kennt jeder, wo Projektionsfläche ist, da ist das kein Hexenwerk. Selbst wenn es sich wie Zauberei anfühlt. Ich glaube sogar, dass wenn ich mich demjenigen gegenüber äußere bezüglich meiner Ängste und ich vielleicht auch gerade dadurch einem Kerl näher komme, findet er das am Anfang sympathisch. Ich weiß nicht immer genau was er darin sieht. Ob es das Beeindrucktsein meiner reflektierten Art ist oder das Erstauntsein darüber, wie ehrlich ich bin. Vielleicht löst es bei ihnen auch das Gefühl aus, zu wissen woran sie sind.

Ich möchte mich nun von einem alten Glaubenssatz verabschieden. Unter anderem geschuldet durch die mir vor gelebten Beziehungen: Keiner bleibt lange bei mir Wer hat schon Lust ein Leben lang das gleiche Spiel zu spielen?

Es fühlte sich an als ginge es um ein Computerspiel, das man sich kauft. Man ist am Anfang so begeistert und will es am liebsten Tag und Nacht spielen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man alles stehen und liegen lässt, einfach nur nach Hause möchte um endlich weiter spielen zu können. Doch irgendwann kommt der Tag, da verliert man das Interesse. Oder man hat es durchgespielt. Nach Beenden wird es weggelegt. Ich verglich lange Beziehungen mit diesen Spielen. Oder eher mich. Wer kann es jemandem verübeln, wenn er das Spiel weglegt, wenn es durch ist?

Langsam kam ich zu der Erkenntnis: Erst einmal: ich bin eine interaktive Spielreihe mit Folgespielen und Erweiterungspacks. Mich kann man nicht einfach so durchspielen. In unregelmäßigen Abständen bringt mein Entwickler ein Erweiterungspack heraus. Aufbauend und anknüpfend an die Grundgeschichte. Erweitert durch neue Effekte und um Längen bessere Tools. Vielleicht ist das nun der entscheidende Punkt. Bleibt man dann der einen Spielreihe treu, wenn sie sich immer wieder verändert? Macht es vielleicht gerade das so aufregend und bringt Freude, dass es immer wieder überarbeitet wird und man sich alle Erweiterungen und neue Versionen zulegen möchte, um weiter zu spielen? Vielleicht sogar, wenn einem mal ein Erweiterungspack nicht gefällt?

Vielleicht ist genau das das Schöne an einer Beziehung. Dass man dann immer wieder die Möglichkeit hat etwas Neues zu entdecken, für das man sich begeistern kann, nachdem einem die Grundgeschichte zusagt? Ich will nicht lügen. Auch mir ging es lange so. War ein Spiel durch, war die Erwartung teilweise groß und wenn ich dann bemerkte, dass es in naher Zukunft keine neue, überarbeitete Version geben würde, dann verlor auch ich das Interesse. Nicht nur einmal.

Mit P. ist es irgendwie anders. Das erste Mal kaufte ich mir das Spiel nicht direkt, sondern hielt es immer mal wieder in der Hand. Ich setzte mich ab und zu dran, testete es und fand es gut. Aber ich legte es danach nochmal zurück. Bis ich mich erst richtig mit der Story befasste. Sie mich beeindruckte und zusätzlich die Möglichkeiten, die ich durch sie sah. Die potentiellen Erweiterungspacks. Erst irgendwann fing ich an langsam immer mehr spielen zu wollen und nun bin ich immer noch süchtig.

Ich bin ein süchtiger Konsument dieses Spiels. Wahrscheinlich weil mir bewusst wurde, dass ich parallel dazu letztendlich auch der Entwickler bin.

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