Diese Drei Worte

In Liebesromanen und Filmen ist es doch irgendwie meisten so, dass die richtige Beziehung, dieses „Ernsthafte“ damit beginnt, dass der Mann seiner Angebeteten seine Liebe gesteht. Häufig wird die Protagonistin in genau diesem Moment von allen vorherigen Zweifeln und Überlegungen und nicht selten vielen Höhen und Tiefen zuvor, in genau dieser Sekunde befreit.

Nun bin ich hier. Ehrlich gesagt fühlt es sich verdammt nach einem dieser Romane und ja, ich finde mich auch in der ein oder anderen Szene wieder, die original aus dem Drehbuch einer Liebeskomödie stammen könnte. An diesen Tagen denke ich mir: Wieso sollten wir darüber reden? Ich kann es in allem erkennen. Ich brauche eigentlich keine Worte.

Dann kommen unsichere Tage. An denen wünschte ich, ich könnte Mal kurz mit Dir in eine Parallelwelt verschwinden und mit Dir auf neutralem Boden ein paar Fragen zu diesem Satz stellen. Zu diesen drei Worten. So locker, als würde ich mit einer Freundin sprechen. Ich wünschte, ich könnte dann einfach nur kurz abchecken was Du darüber denkst. So ganz generell. Um zu wissen, wer Du bist. Ob es für Dich etwas wichtiges ist. Welchen Wert es für dich hat und wie Du damit umgehst. Ob Du es bewusst nicht sagst. Ich könnte Dich mal kurz eben in dieser Parallelwelt ausfragen und diese Fragerunde hätte nichts mit unserer und damit der natürlichen Dynamik zu tun. Hätte danach keinen Einfluss darauf. Ich würde nur mal eben auf neutralem Boden das Motiv für Dein Nicht-Sagen dieser Worte erfragen.

Diese Drei Worte habe ich vorher schon mal gesagt.

Ich will, dass Du es mir sagst, wenn Du Dich danach fühlst sie zu sagen. Du musst sie mir jetzt nicht sagen. Du musst sie mir überhaupt nie sagen.

Ich will sie nicht sagen, weil ich denke, es muss jetzt sein. Ich will sie nicht sagen, weil ich es noch nie so lange nicht gesagt habe. Ich will sie nicht sagen, weil Du sie nicht sagst. Ich will sie nicht sagen, weil ich prüfen will, ob Du sie sagst. Ich will sie nicht sagen, weil ich denke, dass dann zwischen uns etwas anders ist. Ich will sie nicht sagen, weil andere sie auch sagen. Ich will sie nicht sagen, um Erwartungen zu erfüllen. Ich will sie nicht sagen, damit ich einen Beweis habe. Ich will sie nicht sagen, wenn ich unsicher bin.

Aber manchmal stelle ich mir vor, wie ich sie Dir sage. Ein paar Mal habe ich sie mir innerlich schon vor gesprochen. Manchmal sage ich sie Dir in meinem Kopf – manchmal sogar, wenn Du anwesend bist. Manchmal sage ich sie Dir ein bisschen versteckt zwischen den Küssen, die ich Dir gebe. Manchmal sage ich sie Dir getarnt in anderen Worten. Manchmal sage ich Dir etwas anderes und denke mir diese Worte innerlich dabei. Und seit einem Jahr stehen sie immer mal wieder in meinen Tagebuch-Einträgen. Mal als Randnotiz und mal mittendrin im Text. Ich will sie sagen, weil ich mich noch nie so sicher gefühlt habe.

Ich will sie sagen, weil es keine Sicherheit ist, die Du mir gibst, sondern weil es Sicherheit ist, die ich mir gebe, seit Du da bist. Und dann fällt mir auf, ich will eigentlich einen ganz anderen Satz sagen. Ähnlich, aber doch komplett anders. Ich will es sagen, weil ich das erste Mal das Dritte Wort in diesem Satz herausnehme und mit einem „Uns“ ersetze.

Diese Drei Worte habe ich noch nie zu jemandem gesagt.

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