Trennungsschmerz

Liebes Tagebuch,

Ok. Bei mir ist die letzten Tage was passiert. Ich war nicht richtig anwesend. Bei allem was ich tat. Sogar das Niederschreiben meiner Gedanken half nur minimal. Ich fand mich dauernd total niedergeschlagen wieder und all meine Versuche mich daran zu erinnern, dass ich meine Gedanken und damit meine Gefühle gestalte, um mich in einen für mich angenehmeren Gefühlszustand zu bringen, scheiterten kläglich. Dann kam das viele Weinen hinzu. Das hatte ich lange nicht mehr. Die Tränen kamen sogar in unpassenden Situationen. Ich war beim Sport und plötzlich liefen sie. Genau das gleiche eben auf dem Nach hause-Weg nach der Vorlesung. Ich denke an Dich, mir wird kalt und ich fange an zu weinen und fühle mich richtig scheiße und ich verstehe die Welt nicht mehr in diesen Sekunden.

Bis mir eben bewusst wurde, was hier los ist. Es fühlt sich nach Trennung an. In meinem Körper finde ich alle Symptome vor, die ich Trennungsschmerz zuordne. Einen Mix aus Leere, Angst, Bedauern von mir selbst und meinen Gefühlen und dem typischen Wunsch: Bitte einmal alles rückgängig machen, damit ich mich kurz wieder sicher fühle. Dieses typische Bedürfnis, aus der Zwischenphase nach einer Trennung, in der man sich noch nicht in der Stabilität und dem Vertrauen für ein neues Sicherheitsmodell wieder findet und einfach schnell zurück springen will.

Es tut verdammt weh. Aber ja. So löse ich etwas auf. Ich trenne mich von etwas ganz Großem. Von der Beziehung, in der Du meine Erwartungen erfüllst. Von Dir. Von der Version von Dir, der ich die Verantwortung für meine Gefühle zu schrieb. Von der Version von Dir, entstanden durch Erwartungen, dass Du meine Bedürfnisse befriedigen musst. Von der Version von Dir, die es gar nicht gab. Von der Version, die es nicht gibt.

Und dann kommt ganz langsam etwas anderes hinzu. Ein neues Gefühl. Gemischt aus Neugierde und Vorfreude und irgendwie auch ein bisschen Erleichterung. Auf einen Weg, den ich noch nie gegangen bin. Und auf Dich, wie Du vielleicht wirklich bist.

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