Was macht die denn da? – Meditation und Bewertung

Sitze ich regungslos im Park, denke ich, dass gleich jemand kommt und denkt, er müsse fragen, ob es mir denn gut ginge. Schließe ich meine Augen in der Straßenbahn oder auf irgendeiner Bank in meiner Stadt, denke ich, dass der nächste Mensch, der vorbei läuft denken könnte: „Ohje, die Arme, ist sie so müde, dass sie hier schlafen muss?“. Mache ich meine kleinen Atemübungen im Fitnessstudio oder im Café, in dem ich mich gerade an den Tisch setzte, um mich mal kurz zu sammeln und zu mir zu finden, denke ich, dass mich die Person am Nachbartisch beobachtet und bestimmt das Gefühl bekommt, sie müsse intervenieren, bevor mein Kreislauf gleich schlapp macht. Und als ich mich nun zuletzt morgens heimlich für mich meditierend in meinem Zelt auf einem Festival wiederfand, wurde es mir so richtig bewusst. Diese wiederkehrende Angst vor der Bewertung.

Mit Routinen ist es ja so eine Sache. Die sind in der Umsetzung für mich alleine gar kein Problem. Sobald ich mich aber in Situationen finde, in denen ich nicht alleine für mich bin, dann sieht das anders aus. Am Anfang war es für mich schlichtweg nicht möglich. Da verzichtete ich dann auf all die kleinen mentalen Übungen, die ich so für mich im Alltag einbaue und so schätzen lernte. Ich merke nun immer mehr, ich will da eigentlich nie drauf verzichten. Egal wer davon was mitkriegt oder nicht. Deshalb schaute ich mir mein Verhalten und die Gefühle dazu mal genauer an. Was ist denn da eigentlich los?

Ich bemerkte, mir war das sogar irgendwie peinlich, wenn man das mitbekam. Eben aus dem üblichen Grund, bei dem ich bei der Analyse meiner Verhaltensmuster eigentlich immer lande: Angst vor Ablehnung und der negativen Bewertung, wenn ich den Zustand der Anpassung verlasse. Sei es nun die Achtsamkeitsübungen, die kleinen Meditationen oder auch meine Atemübungen für zwischendurch. Ich habe mich da mal beobachtet. Sobald ich unter Menschen bin und nicht für mich alleine zu Hause, kommt da die Angst hoch vor der Bewertung von außen von dem, was ich da mache.

Dazu gehört nicht nur die Angst, fremde Menschen könnten das, was ich da tue falsch einordnen oder bewerten. Es liegt vor allem auch daran, dass ich mich die meiste Zeit unter Menschen wiederfinde, die das Ganze anders bewerten als ich. Ich erzähle es schon gar nicht groß und wenn, nur ausgewählten Personen. Auch den engsten Freunden nicht. Ich kann eigentlich mit keinem darüber reden, was mir da wirklich hilft in letzter Zeit. Warum ich für mich selbst nicht mehr so ein Nervenbündel bin und vor allem wie gut mir das tut.

Ich erwarte nämlich, dass die meisten es mit einem Augenrollen abtun würden. Weil sie denken, ich bin nun auch auf diesen Achtsamkeits-Zug aufgestiegen, der hier gerade überall durch Deutschland fährt. Bin nun auch auf diesem Eso-Trip, dem man Meditation irgendwie immer noch so oft direkt zuschreibt und der irgendwie negativ besetzt wirkt. Ich denke, dass mein Verhalten von meinen Bekannten belächelt werden würde und vielleicht würde der ein oder andere denken: „Naja, vielleicht liegt es einfach daran, dass sie selbst dran glaubt…“ und würde es dem Placebo-Effekt zuschreiben. Und irgendwie scheue ich mich vor dieser Konfrontation. Eben aus oben genannten Gründen und wahrscheinlich auch immer noch ein bisschen aus den Bedenken, sie könnten mir damit was kaputt machen.

Aber ich merke in letzter Zeit eine Veränderung. Irgendwie ansteigend zu den immer größeren Erfolgen, die ich diesen persönlichen Übungen und Techniken zuschreibe. Ich wünsche mir, dass ich so sehr zu mir finde, dass mir die Außenwelt dabei komplett egal ist. Ist eben alles eine Sache des Übens. Aber kennt das jemand?

3 Kommentare

  • Kerstin

    Ja, das kenne ich nur allzu gut. Meine Empfehlung, sich die Mitmenschen um einen herum anschauen, was die so alles in der Öffentlichkeit machen bzw. zelebrieren. Dagegen sind Menschen, die meditieren die reinste Freude als Mitmensch. Wenn alles nichts hilft, empfehle ich das Buch „Die subtile Art, sich einen Dreck zu scheren“, das öffnet einem die Augen und den Blickwinkel. Liebe Grüße, Kerstin

    • Jana Pimienta

      Liebe Kerstin,

      cool, dass Du Dich da auch kennst.
      Danke für den Tipp, das ist ein guter Ansatz, ich werde mir das Buch mal anschauen.
      Genau da möchte ich hin. Komplett frei sein vom Denken, dass man bewertet wird oder irgendwer das hier gerade falsch einordnen könnte.
      Schaffst Du es mittlerweile in der Summe öfters, nicht mehr über die anderen nachzudenken und was die eventuell alles denken könnten? 🙂

      Herzliche Grüße
      Jana

      • Kerstin

        Liebe Jana
        Nun, mal klappt es, mal weniger, aber insgesamt mache ich mir durchaus viel weniger Gedanken darum, was andere von mir und meinem Verhalten denken. Das raubt einem ja auch irgendwie Energie, die man für andere Dinge viel besser einsetzten kann. Vielleicht wird man mit dem Alter auch etwas gelassener und in der Kombi aus allem macht den Erfolg.
        Liebe Grüße, Kerstin

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