Warum ich mich verstecken will

Liebes Tagebuch,

nach dieser verdammt langen Suche nach einem Modell, um mich endlich sicher zu fühlen, fand ich es.

Es fing an mit der Erkenntnis für mich, dass ich 1. über meine Umwelt und nichts und niemanden darin die Kontrolle habe und 2. über meine Gedanken und damit meine Gefühle sehr wohl die Kontrolle habe.

Das waren die zwei wichtigsten Gamechanger für mein komplettes Ich und mein Leben. Und damit der Beginn mir jedes einzelne Gefühl und damit jeden verbundenen Gedanken bewusst zu machen, um damit umzugehen. Bis ich schließlich merkte, dass durch diese tägliche Übung die Lücken zwischen Gedanken, Gefühl und Reaktionen auf diese, immer größer wurden, was Annahme Nr. 2. nur noch mehr bestätigte.

Endlich fand ich also die einzige Sicherheits-Schraube, an der ich das erste Mal mit Erfolg drehen konnte, nachdem ich an allen im Außen herumdrehte, die ich fand, ohne Erfolg.

Dann kam das Gefühl, dass ich mich rechtfertigen müsse, weil die Außenwelt irgendwie nicht mit mir ging. Mein Konstrukt kam ins wanken, aber ich baute es mühsam wieder auf und aus. Denn noch nie gab mir etwas solche Sicherheit.

Ich fühle mich, als habe ich das ultimative (Heil-)Mittel für mich entdeckt. Ich teste es an einer Tour. Überall. Und es fühlt sich so gut an. Wie die Basis für alles, was ich noch erreichen werde und für unendliche Leichtigkeit und Fülle in meinem Leben. Wie der größte Schatz, den ich in mir fand.

Nun kommt ein nächstes Gefühl in mir hoch. Innerlich hat sich die letzten Monate irgendwie alles komplett verändert. So laufe ich nun durch die Welt. Durch die gleiche Welt. Sie sieht für mich so anders aus. So komplett anders.

Ich habe da für mich was aufgebaut, an dem ich noch direkt dran bin. Was noch so leicht kaputt zu kriegen ist. Einfach der Tatsache geschuldet, dass es noch so frisch ist. So instabil. So zerstörbar. Ich habe das Gefühl, ich muss diesen Schatz so gut es geht verteidigen vor allem, was da draußen ist. Nicht nur das, ich muss ihn jederzeit behüten. Weil alleine der nächste Windstoß ihn wieder umhauen könnte.

Ich will ihn am liebsten packen und weg rennen und mich irgendwo mit ihm verstecken, bis ich weiß, ich kann in mein altes Leben zurück und nichts und niemand kann ihm etwas an haben.

Wie kann ich meinen Schatz beschützen, ohne, dass ich Gefahr laufen muss, dass er zusammenbricht, bis ich mit ihm stark genug bin? Irgendwie reicht ein Absperrband bei einer so großen Baustelle in mir drin nicht aus.

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