Abschiedsgeschenk für mich

Und dann stehe ich da plötzlich. Mit dem Griff meines, bis in die letzte Ecke voll gestopften, Handgepäckkoffers in der einen und meiner Regenjacke in der anderen Hand.

Und Du hast mir in den Minuten zuvor das schönste Abschiedsgeschenk gemacht, was du mir hättest schenken können.

Eigentlich hast Du schon vor Monaten angefangen es mir zu schenken. Zuerst, als ich auf die Idee kam, dass ich für 6 Wochen weg möchte. Du warst gespannt auf meine Pläne. Es ist gut möglich, dass ich mit einem ganz bestimmten Motiv weg wollte. Denn irgendwie kam die Idee in dem Zeitraum auf, als mir mein Glaubenssatz, dass ich keine Beständigkeit finden könne, verbunden mit dieser Angst, so richtig bewusst wurde. Nach und nach wurde der Wunsch konkreter. Als ich anfing in mich selbst zu blicken. Als ich entschied, dass ich in meinen Semesterferien nach Kanada gehen möchte und Dir von meinen Praktikums-Plänen erzählte, warst Du neugierig und hast Dich gefreut. Erst dachte ich, Du realisierst es nicht. Du hast Dich erkundigt und Du hast mich erzählen lassen. Nicht ein einziges zweifelndes Wort. Nicht ein einziges, das irgendwas in Frage stellen könnte. Dann dachte ich, Dir ist es egal. Ich wurde ein wenig unsicher. Aber eigentlich nur in den Momenten, in denen mich jemand anderes fragte: „Ja und Dein Freund? Was sagt der dazu?“. Nichts sagt der dazu. Danach komme ich doch wieder.

Nun stehe ich hier. Es ist witzig, zu erkennen, wie sich meine Haltung verändert hat. Mein Blick auf die Welt und damit auf uns. So, dass ich genau jetzt hier stehe und erkenne, dass es genau diese Momente waren, die mir so ein gutes Gefühl geben.

Und Du hast mir in den letzten Minuten das schönste Abschiedsgeschenk gemacht, was du mir hättest schenken können. Denn Du gingst mit dieser Selbstverständlichkeit damit um. All die Monate der Planung, bis zur letzten Sekunde.

Und dann stehe ich da plötzlich. Mit dem Griff meines, bis in die letzte Ecke voll gestopften, Methodenkoffers, um mir selbst zu helfen in der einen und dieser, von Dir geschenkten Leichtigkeit, in der anderen Hand.

Nun kann ich mich ganz mir widmen. Mir und meinem, nun viel größeren Motiv: Mein Leben aus einer Distanz anzuschauen. So wie ich es beim Schreiben so mag. Von außen drauf schauen, um mir bewusst zu werden, was da so vor sich geht.

3 Kommentare

  • Jeraph

    Ich wünsche dir viele spannende und wertvolle Erfahrungen!

    Es ist schön wenn der andere einfach weiss, das du wieder kommst. Dann hast du ein Platz in der Welt und egal wo du bist, du hast es im Herzen.

    Ich habe das erlebt als ich am Rand der Welt in Island war, tropfnass, eine Kascheme (von der Größe her) zum übernachten und meine Reisefreundin konnte ich an dem Tag auch nicht ab.

    Zu allem Überfluss konnte ich meinen Drachen nicht anrufen, dass heisst die Verbindung bestand halb, er hörte mich und antwortete in Smileys auf den verschiedensten Messengern um mir zu zeigen, dass er mich immer erreicht. (könnte gerade heulen weil es so gut tat, obwohl ich von zuhaus Abstand brauchte war er immer für mich da..) und das ist bei euch ja wohl auch, es freut mich sehr, dass er dir diese Erfahrungen gönnt.

    Pass auf dich auf, und komm nach der Reise wieder gut zu hause an. Ich hoffe du teilst auch hier ein bissl von deiner Reise.

    Liebe Grüße
    Jeraph

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