Ein Ring für die Liebe auf den zweiten Blick

Liebes Tagebuch,

Ich habe ja nie so voll und ganz an Liebe auf den zweiten Blick geglaubt. Heimlich in mir drin, war da doch immer diese Vorstellung von diesem romantischen Moment, verbunden mit diesen alles durchdringenden Emotionen, nach der ersten Begegnung – Die Liebe auf den ersten Blick.

Das hat sich geändert. Irgendwann in den letzten Wochen muss es passiert sein. Irgendwo zwischen dem erweiterten Reflektieren, integriert in meinen Alltag und das nicht mehr nur zu festgelegten Zeiten. Irgendwo zwischen all den Malen, in denen ich Atemübungen machte, meditierte oder bewusst einige meiner momentanen Gedanken gehen ließ. Und dann kamen da auf einmal Anzeichen von Gefühlen in mir auf, die mir bekannt vorkamen. Erst klopften sie ganz vorsichtig bei mir an. Die kannte ich schon. Aber irgendwie aus einem komplett anderen Kontext. Diese Augenblicke, in denen man sich selbst echt gut findet, verbunden mit diesem wunderbaren Gefühl von Leichtigkeit. Sie kamen nun so sporadisch, dass ich sie, gepaart mit deren auslösender Lebensfreude, direkt mit einem Ereignis im Außen verband. Denn daher kannte ich dieses Gefühl. Ich merkte in deren Schüben, wie frei ich mich fühlte. So, als könnte mir nichts und niemand mehr etwas anhaben. So als hätte ich die Kontrolle über alles.

Dann fing ich plötzlich an alles toll zu finden. Sogar die Momente, die mich früher verunsicherten. Es wurden ganze Ketten dieses unheimlich lockeren und befreienden Gefühls. So langanhaltend, dass es mir immer schwerer fiel, die direkte Ursache für diese jetzt auftretende Gefühlskette, zuzuordnen. Bis es so überdauernd wurde, dass es mir mit dem Zuschreiben der Ereignisse aus meiner Umwelt, als Ursache auf diese aufkommenden Gefühle, unmöglich wurde.

Es fühlte sich an wie Verliebtsein. Nur ohne eine mir mögliche Zuordnung dessen. Wieder und wieder. Bis ich plötzlich das Gefühl hatte, in alles und jeden verliebt zu sein. Es wurde fast lächerlich schön.

Aus diesem Zustand raus, startete ich noch einmal den Versuch eine Ursache zu finden, es doch irgendwie irgendwetwas da draußen zuschreiben zu können. Gerade mir, wo ich meinen Gefühlen doch immer so nah bin, musste das doch gelingen. Ich versuchte ein Faktorenliste zu entwickeln, um zu erkennen wodurch sich dieses Gefühl weiter auszudehnen schien. Bis mir bewusst wurde, wie austauschbar jeder einzelne dieser Faktoren waren.

Der gemeinsame Nenner, das war ich selbst. Ich glaube, ich habe mich in mich selbst verliebt. Irgendwann in den letzten Wochen muss es passiert sein.

Ich habe ja nie so voll und ganz an Liebe auf den zweiten Blick geglaubt. Heimlich in mir drin, war da doch immer diese Vorstellung von diesem romantischen Moment, verbunden mit diesen alles durchdringenden Emotionen nach der ersten Begegnung – Die Liebe auf den ersten Blick. Und vielleicht gehört diese Liebe auf den ersten Blick auch genau da hin. In diese Begegnungen mit jemandem oder etwas im Außen. Aber Liebe auf den zweiten Blick, erlebte ich nicht da draußen. Das erlebte ich als ich mir mal ganz genau anschaute, mit wem ich es hier eigentlich, seit 28 Jahren, jede einzelne Sekunde zutun habe. Sollen sich doch all die anderen Faktoren austauschen. So oft sie wollen. Für einen habe ich die volle Verantwortung. Als Zeichen für diesen neuen Ansatz, habe ich mir selbst einen Ring als Geschenk gemacht. Weil ich gerade so verdammt verliebt in mich bin.

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