• Meine Fernbeziehung

    Liebes Tagebuch, Die Fernbeziehung nervt. Was mir am Anfang wie ein Sicherheitsanker vor kam, wie das Gefühl, so nicht zu viel vom eigenen Leben, was ich gerade so begann alleine hinzubekommen, aufzugeben, fühlt sich jetzt gerade scheiße an. Ich bin so abhängig von den komprimierten Stunden, gefüllt mit unseren komprimierten Konversationen, Launen und Gefühlen. Dieses Gefühl sich schneller zu verändern, sich zu erfahren als dass man es überhaupt am Wochenende aufholen kann. Geschweige denn erklären, wo man gerade steht. Ich mag sie gerade nicht. Ich mag uns. Aber ich mag diese Wochenendbeziehung gerade nicht. Vielleicht haben wir auch einfach noch nicht den Dreh raus. Liegt es nun daran, dass wir…

  • Meine Projektionsfläche – Tinder und Co.

    Liebes Tagebuch, wo landet eigentlich diese ganze Energie, die durch die Vorstellungen, die Fantasien, das Reininterpretieren und die Projektionen entstehen, während man sich mit einem Profil beschäftigt? Auch die, die am Anfang einer Beziehung entstehen? Gibt es dafür eine Müllkippe in einem Paralleluniversum? Besser noch eine Recycling-Anlage um an anderer Stelle von ihr zu profitieren? Ich hatte immer schon ein komisches Gefühl bei Dating-Apps. Manche beschrieben mir das was man da betreibt als „Marktwert-Testen“. Ich verstand auch das nicht so richtig. Mir kommt es so vor, als testet man in erster Linie den virtuellen Marktwert. Nicht mal wirklich. Man testet in erster Linie den Marktwert seines Profilbilds und regt damit…

  • Erklärst Du mir die Sache mit dem Schmuck?

    Liebes Tagebuch, Beim vielen Bewusst-machen meiner Gedanken, mache ich mir manchmal auch die unnötigsten Dinge bewusst. Nach dem Motto: Ganz oder gar nicht. Bis auf die kurze Überlegung eventuell irgendwann Goldschmiedin zu werden, und das meiner Liebe zur Kreativität und meiner Geduld bei dieser geschuldet, bin ich, gemessen an manch anderen Frauen, absolut kein Schmuckmädchen. Ich meine wirklich so richtig gar nicht. Ich habe zwei Armbänder, die ich beide mal von Freundinnen geschenkt bekam, zwei Uhren, die ich jeweils von Exfreunden geschenkt bekam (die eine möglicherweise deshalb, weil es die andere gab). Ich trage nichts davon. Sie liegen fast unberührt im Schälchen auf meiner Fensterbank und erhalten kaum Aufmerksamkeit, bis…

  • Das beste Buch meines Lebens

    Liebes Tagebuch, Ich habe mir vor 2,5 Jahren mein erstes Tattoo stechen lassen. Großer Sinn, kurz erklärt: Es war der Zeitpunkt, wo mir klar wurde, ich schaue nicht zu wie mein Leben mir passiert und kann mich über manches freuen und manches nicht, sondern ich selbst gestalte es. Ich habe sowas gedacht wie: Geil, ich habe mein Leben vor mir und kann über die Geschichte entscheiden. Über den Inhalt. Ich kann jetzt schon die Weichen stellen. Ich kann eigentlich direkt den Klappentext schreiben, und den Inhalt darin schon mal wiedergeben. Weil ich es in der Hand habe. Alleine dieses Gefühl war schon genial. Jetzt merke ich gerade, das ist noch…

  • Kaputte Dinge in meiner Beziehung – Verschleiß oder Rücksichtslosigkeit?

    Liebes Tagebuch, Ich kenne Dein Inventar mittlerweile ziemlich gut. Und langsam auch Dich. Mir ist schon öfters aufgefallen, dass die Geräte, die Du nutzt irgendwie fast alle kaputt sind. Auch die, die Du täglich nutzt. Schreibst Du ihnen zu wenig Wert zu? Vor ein paar Tagen hast Du mir noch mehr davon vorgestellt. Du entsorgst sie nämlich nicht. Vor allem Deine Elektrogeräte. Du hast mir Deine Sammlung an den Vorgänger-Modellen Deines jetzigen Handys, eins nach dem anderen vorgestellt. Sie waren alle kaputt. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Du hast sie mir alle gezeigt. Von den äußeren Makeln über zersprungene Ecken bis hin zu komplett zersplitterten Displays. Nimmst Du zu wenig Rücksicht?…

  • Filter – komm, wir füttern Deinen virtuellen Selbstwert

    Erinnert ihr euch noch an die SchülerVZ-Zeit? Ich weiß noch wie mein 15 Jähriges Ich stundenlang am Pc saß, um mit diversen Fotobearbeitungsprogrammen, an die ich ran kam, reihenweise die selbst geschossenen Fotos von mir oder Freundinnen zu bearbeiten. Eigentlich war es schon damals das gleiche Schauspiel wie jetzt. Immer nach dem gleichen Prinzip. Je größer die Komplexe und Selbstzweifel an diesem Tag waren desto bearbeiteter waren meine Fotos. Und jetzt versetzt euch nochmal in das Selbstwertgefühl in diesem Alter – demnach waren sie eigentlich fast immer extrem überbelichtet oder der Kontrast auf perverseste Weise aufgedreht, dass man teilweise nicht mal sagen konnte, ob das ein aufgenommenes Foto einer Digitalkamera…

  • Meine Logistik im Kopf – von meiner Akkulaufzeit

    Liebes Tagebuch, Ständig und überall sind wir auf der Suche nach der nächsten Steckdose. Wir werden nervös, schalten den Flugmodus ein und aus und kalkulieren wie wir am besten welche App benutzen, um den kostbaren Strom unseres Smartphones so lange es geht zu erhalten, wenn wir in dieser Schrecksekunde bemerkten, dass wir auf der dreistündigen Zugfahrt das Aufladekabel vergessen haben. Wir kriegen Schweißausbrüche, wenn unser Notebook nur noch 23 Prozent Akkuladung anzeigt, wir aber ohne Netzteil in der Bibliothek bei der Gruppenarbeit sitzen. Und wo haben wir jetzt nochmal das Netzteil für uns liegen lassen? Wenn ich gute Filme sehe oder spannende Bücher lese, dann bemerke ich das an einer…

  • Ist neutral genial? Meine Angst vor Neutralität

    Liebes Tagebuch, Gestern bezeichnete P. auf meine Frage hin, wie er etwas findet, das Ganze als „neutral“. Seit dem bin ich irgendwie total überrascht. Erst bemerkte ich, dass ich selbst noch nie etwas als neutral bezeichnete. Nicht nach außen und nicht mal in mir drin, für mich alleine. Dann wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass ich das nicht einfach aus Gewohnheit nicht mache. Es ist etwas anderes. Auf der vergeblichen Suche nach etwas, das ich selbst mal als neutral deklarierte, spürte ich zum ersten Mal richtig welche Abneigung ich der Verwendung des Wortes neutral gegenüber habe. Warum habe ich so eine schlechte Verbindung zu neutral? Ich will niemanden und…

  • Meine Momentaufnahmen

    Ein Moment. Viele Aufnahmen. Alle abgeändert. Liebes Tagebuch, überall geht es um den Wunsch nach Achtsamkeit und darum zu lernen im Hier und Jetzt anzukommen. Aber welchen Umgang pflegen wir mit unseren vielen kleinen Momenten? Igrendwie passt da etwas nicht zusammen. Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Scrollt man sich durch Instagram und Co, ahnt man bei jedem zweiten Foto, dass diese Aufnahme keine „Zufallsaufnahme“ gewesen ist.  Selbst bei Aufnahmen untermauert mit den Hashtags „formorereality“ oder „morerealityoninstagram“ etc. habe ich mittlerweile Zweifel daran, ob die Aufnahmen die ja ach so spontan das „Reallife“ darstellen sollen, dies auch wirklich als Momentaufnahme tun. Stattdessen ahne ich, dass auch für diese eine „Momentaufnahme“…

  • Eine Alltagssituation, tausend Gedanken

    Liebes Tagebuch, heute schreibe ich Dir mal einen realen Ausschnitt aus meinem Leben und damit eine konkrete Situation meines Alltags und den dazugehörigen Gedanken. Ich komme gerade von einem Arzttermin und mag Dir gerade mal erzählen, wie überfüllt meine Gedankenwelt sogar bei sowas eingerichtet ist. Ich mache mich auf den Weg zur Praxis, bei weitem viel zu früh für den eigentlichen Termin. Es könnte ja irgendwas unvorhergesehen passieren, dazwischenkommen, was mich doch noch verspäten lassen würde. Darauf will ich immer vorbereitet sein und zu spät kommen kommt für mich nicht in Frage. Jemanden warten lassen erstrecht nicht. Ich bin auf dem Weg und überlege mir wie ich mich gedanklich am…