• Erklärst Du mir die Sache mit dem Schmuck?

    Liebes Tagebuch, Beim vielen Bewusst-machen meiner Gedanken, mache ich mir manchmal auch die unnötigsten Dinge bewusst. Nach dem Motto: Ganz oder gar nicht. Bis auf die kurze Überlegung eventuell irgendwann Goldschmiedin zu werden, und das meiner Liebe zur Kreativität und meiner Geduld bei dieser geschuldet, bin ich, gemessen an manch anderen Frauen, absolut kein Schmuckmädchen. Ich meine wirklich so richtig gar nicht. Ich habe zwei Armbänder, die ich beide mal von Freundinnen geschenkt bekam, zwei Uhren, die ich jeweils von Exfreunden geschenkt bekam (die eine möglicherweise deshalb, weil es die andere gab). Ich trage nichts davon. Sie liegen fast unberührt im Schälchen auf meiner Fensterbank und erhalten kaum Aufmerksamkeit, bis…

  • Das beste Buch meines Lebens

    Liebes Tagebuch, Ich habe mir vor 2,5 Jahren mein erstes Tattoo stechen lassen. Großer Sinn, kurz erklärt: Es war der Zeitpunkt, wo mir klar wurde, ich schaue nicht zu wie mein Leben mir passiert und kann mich über manches freuen und manches nicht, sondern ich selbst gestalte es. Ich habe sowas gedacht wie: Geil, ich habe mein Leben vor mir und kann über die Geschichte entscheiden. Über den Inhalt. Ich kann jetzt schon die Weichen stellen. Ich kann eigentlich direkt den Klappentext schreiben, und den Inhalt darin schon mal wiedergeben. Weil ich es in der Hand habe. Alleine dieses Gefühl war schon genial. Jetzt merke ich gerade, das ist noch…

  • Kaputte Dinge in meiner Beziehung – Verschleiß oder Rücksichtslosigkeit?

    Liebes Tagebuch, Ich kenne Dein Inventar mittlerweile ziemlich gut. Und langsam auch Dich. Mir ist schon öfters aufgefallen, dass die Geräte, die Du nutzt irgendwie fast alle kaputt sind. Auch die, die Du täglich nutzt. Schreibst Du ihnen zu wenig Wert zu? Vor ein paar Tagen hast Du mir noch mehr davon vorgestellt. Du entsorgst sie nämlich nicht. Vor allem Deine Elektrogeräte. Du hast mir Deine Sammlung an den Vorgänger-Modellen Deines jetzigen Handys, eins nach dem anderen vorgestellt. Sie waren alle kaputt. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Du hast sie mir alle gezeigt. Von den äußeren Makeln über zersprungene Ecken bis hin zu komplett zersplitterten Displays. Nimmst Du zu wenig Rücksicht?…

  • Filter – komm, wir füttern Deinen virtuellen Selbstwert

    Erinnert ihr euch noch an die SchülerVZ-Zeit? Ich weiß noch wie mein 15 Jähriges Ich stundenlang am Pc saß, um mit diversen Fotobearbeitungsprogrammen, an die ich ran kam, reihenweise die selbst geschossenen Fotos von mir oder Freundinnen zu bearbeiten. Eigentlich war es schon damals das gleiche Schauspiel wie jetzt. Immer nach dem gleichen Prinzip. Je größer die Komplexe und Selbstzweifel an diesem Tag waren desto bearbeiteter waren meine Fotos. Und jetzt versetzt euch nochmal in das Selbstwertgefühl in diesem Alter – demnach waren sie eigentlich fast immer extrem überbelichtet oder der Kontrast auf perverseste Weise aufgedreht, dass man teilweise nicht mal sagen konnte, ob das ein aufgenommenes Foto einer Digitalkamera…

  • Meine Logistik im Kopf – von meiner Akkulaufzeit

    Liebes Tagebuch, Ständig und überall sind wir auf der Suche nach der nächsten Steckdose. Wir werden nervös, schalten den Flugmodus ein und aus und kalkulieren wie wir am besten welche App benutzen, um den kostbaren Strom unseres Smartphones so lange es geht zu erhalten, wenn wir in dieser Schrecksekunde bemerkten, dass wir auf der dreistündigen Zugfahrt das Aufladekabel vergessen haben. Wir kriegen Schweißausbrüche, wenn unser Notebook nur noch 23 Prozent Akkuladung anzeigt, wir aber ohne Netzteil in der Bibliothek bei der Gruppenarbeit sitzen. Und wo haben wir jetzt nochmal das Netzteil für uns liegen lassen? Wenn ich gute Filme sehe oder spannende Bücher lese, dann bemerke ich das an einer…

  • Welpenschutz in Beziehungen

    Liebes Tagebuch,Welpenschutz besagt, dass Welpen angeblich bei älteren Hunden eine weitreichende „Narrenfreiheit“ hätten, von ihnen nicht angegangen und nicht verletzt würden; für menschliche Beobachter stelle sich diese Zurückhaltung als biologisch-sozial bedingte Toleranz dar. Wikipedia 2019. Diese süße Narrenfreiheit. Ich glaube, die hat mein Freund manchmal auch. Manche nennen es blind vor Liebe, andere den rosaroten Blick durch die Brille. Ich nenne es Welpenschutz. Mein Freund hat einen ganz klaren Welpenschutz. Ursprung dieses an mir zu beobachtendes Phänomen ist wohl eine Mischung aus dem Beduseltsein der Gefühle zu ihm und dem Wunsch, ihn so gut es geht so zu lassen, wie er ist. Erkennungszeichen hierfür sind diese Zurückhaltung bei all den…

  • Was ich aus Deinem Schweigen mache

    Liebes Tagebuch, Jedes Mal wenn Du in Worten herum druckst und nichts Klares äußerst, kriege ich Angst, dass ich Dir zu viel bin. Jedes Mal wenn Du mich nicht anschaust, wenn ich etwas sage, denke ich, Du hast zu wenig Interesse für mich. Jedes Mal wenn Du mit Deiner Antwort lange auf Dich warten lässt, nachdem ich Dich etwas fragte, denke ich, dass Du keine Lust hast Dich mit meinen Themen auseinander zu setzen. Jedes Mal wenn Du mit einer Floskel reagierst, nachdem ich gerade ein Gespräch begonnen habe, denke ich, ich bin Dir zu anstrengend. Jedes Mal wenn Du meine Aussagen übergehst und einfach zu einem anderen Thema wechselst,…

  • Mein Versuch mich sicher zu fühlen: Anpassung

    Liebes Tagebuch, „Man merkt so richtig, dass Du Dich voll für jeden Menschen interessierst!“, sagt L. zu mir, nachdem wir die Gruppenarbeit beenden. Ich grinse freundlich und nicke ihr irgendwie ein bisschen zustimmend zu während ich überlege das wievielte Mal ich diese Aussage nun höre. In dieser oder einer ähnlichen Version. Und warum ich eigentlich nicke. Ja, das stimmt. Ich interessiere mich für Menschen. Ich studiere sogar eine der vielen Wissenschaften, die sich mit Menschen beschäftigt, denn vor allem interessiere ich mich für alles, was in einem Menschen vorgeht. Dieses Interesse nimmt manchmal ein so großes Ausmaß an, dass es unangenehm werden kann. Nicht für die anderen. Für mich. Wie…

  • Mein Versuch mich sicher zu fühlen: Anerkennung

    Liebes Tagebuch, Blättere ich durch meine alten Tagebücher, dann wird mir ganz komisch. Wahrscheinlich weil sich beim Lesen mein blöder Verdacht bestätigt. Lese ich diese Einträge, möchte ich abwechselnd mit dem Kopf schütteln oder direkt mein vergangenes Ich. Aber meistens möchte ich es einfach in den Arm nehmen und ihm sagen: „Das, was Du hier machst, brauchst Du gar nicht…“ In all meinen Tagebüchern definiere ich mich zu 90 Prozent über das, was andere von mir halten. Über Beziehungen, Freundschaften und die Männer. Zwischen all diesen Kontakten, Treffen, Gesprächen, suchte ich Bestätigung und Anerkennung. Ich suchte nicht danach, ich betrieb einen hohen Aufwand, um regelmäßig mit Anerkennung abgedeckt zu sein.…

  • Ist neutral genial? Meine Angst vor Neutralität

    Liebes Tagebuch, Gestern bezeichnete P. auf meine Frage hin, wie er etwas findet, das Ganze als „neutral“. Seit dem bin ich irgendwie total überrascht. Erst bemerkte ich, dass ich selbst noch nie etwas als neutral bezeichnete. Nicht nach außen und nicht mal in mir drin, für mich alleine. Dann wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass ich das nicht einfach aus Gewohnheit nicht mache. Es ist etwas anderes. Auf der vergeblichen Suche nach etwas, das ich selbst mal als neutral deklarierte, spürte ich zum ersten Mal richtig welche Abneigung ich der Verwendung des Wortes neutral gegenüber habe. Warum habe ich so eine schlechte Verbindung zu neutral? Ich will niemanden und…