• Abschiedsgeschenk für mich

    Und dann stehe ich da plötzlich. Mit dem Griff meines, bis in die letzte Ecke voll gestopften, Handgepäckkoffers in der einen und meiner Regenjacke in der anderen Hand. Und Du hast mir in den Minuten zuvor das schönste Abschiedsgeschenk gemacht, was du mir hättest schenken können. Eigentlich hast Du schon vor Monaten angefangen es mir zu schenken. Zuerst, als ich auf die Idee kam, dass ich für 6 Wochen weg möchte. Du warst gespannt auf meine Pläne. Es ist gut möglich, dass ich mit einem ganz bestimmten Motiv weg wollte. Denn irgendwie kam die Idee in dem Zeitraum auf, als mir mein Glaubenssatz, dass ich keine Beständigkeit finden könne, verbunden…

  • Was soll denn dieses „an sich arbeiten“?

    In letzter Zeit bemerke nicht mehr nur ich, dass sich bei mir was verändert hat. Meistens sage ich dann: „Cool, ich habe nun auch lange an mir gearbeitet“. Was heißt das denn überhaupt? War ich denn vorher nicht gut genug? Was habe ich denn da bearbeitet? Lange waren meine Gesprächspartner nach diesem Satz still. Ich könnte mir vorstellen, dass das damit zu tun haben könnte, welche Vorstellungen sich dann bei diesen auftun. „An sich selbst arbeiten“ oder „Persönlichkeitsentwicklung betreiben“ – Was heißt das denn? Was macht man denn da? Ist das denn nötig? Klingt irgendwie so aufwendig. Muss ich mich dafür irgendwo anmelden, hohe Summen zahlen oder mich irgendwo einschreiben?…

  • Warum ich mich verstecken will

    Liebes Tagebuch, nach dieser verdammt langen Suche nach einem Modell, um mich endlich sicher zu fühlen, fand ich es. Es fing an mit der Erkenntnis für mich, dass ich 1. über meine Umwelt und nichts und niemanden darin die Kontrolle habe und 2. über meine Gedanken und damit meine Gefühle sehr wohl die Kontrolle habe. Das waren die zwei wichtigsten Gamechanger für mein komplettes Ich und mein Leben. Und damit der Beginn mir jedes einzelne Gefühl und damit jeden verbundenen Gedanken bewusst zu machen, um damit umzugehen. Bis ich schließlich merkte, dass durch diese tägliche Übung die Lücken zwischen Gedanken, Gefühl und Reaktionen auf diese, immer größer wurden, was Annahme…

  • Was macht die denn da? – Meditation und Bewertung

    Sitze ich regungslos im Park, denke ich, dass gleich jemand kommt und denkt, er müsse fragen, ob es mir denn gut ginge. Schließe ich meine Augen in der Straßenbahn oder auf irgendeiner Bank in meiner Stadt, denke ich, dass der nächste Mensch, der vorbei läuft denken könnte: „Ohje, die Arme, ist sie so müde, dass sie hier schlafen muss?“. Mache ich meine kleinen Atemübungen im Fitnessstudio oder im Café, in dem ich mich gerade an den Tisch setzte, um mich mal kurz zu sammeln und zu mir zu finden, denke ich, dass mich die Person am Nachbartisch beobachtet und bestimmt das Gefühl bekommt, sie müsse intervenieren, bevor mein Kreislauf gleich…

  • Meine Wahrheit – Will ich belogen werden?

    Liebes Tagebuch, ganz klar ist, man kann sich über die Definition zu „Wahrheit“ streiten und auch darüber, ob man überhaupt jemals in den Zustand kommt, überall Wahrheit zu erleben. Meine Gedanken hierzu sind theoretisch. Mit der „Wahrheit“ im Folgenden, meine ich das „Wahrheit-Konstrukt“ der anderen, die in dem Moment nicht mit meiner aufgebaute Wahrheit übereinstimmt. Will ich belogen werden? An manchen Tagen denke ich: Sagt mir bitte alles, ich will lernen alles zu erleben. Ich will alles wissen. An unsicheren Tagen will ich mir ein Schild umhängen mit der Aufschrift: „Bitte schont mich heute, auch wenn das heißt, dass ihr mich belügt, ich bin heute zu unsicher um mit allem…

  • Mein Mr. Right wird schon alles richten

    Und dann kam der Prinz. Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Liebes Tagebuch, manchmal kam in mir genau dieser Wunsch auf. Dass der Eine kommt und mich umhaut. Alle Zweifel wegfegt. Am besten durch seine pure Existenz. Ich gebe es zu. Es gab Tage, da sehnte ich mich regelrecht danach. So konnte ich sagen: Es muss nur der richtige Typ kommen, dann klappt alles. Das wünschte ich mir eine lange Zeit tatsächlich. Dass es so einfach wäre. Ich hinterfragte es nicht mal. Die Verantwortung einfach abgeben. Irgendwann hinterfragte ich es zwar aber eher durch die Zweifel, ob es für jeden diesen Kerl geben könnte. Ich schickte regelmäßig…

  • Meine Projektionsfläche – Tinder und Co.

    Liebes Tagebuch, wo landet eigentlich diese ganze Energie, die durch die Vorstellungen, die Fantasien, das Reininterpretieren und die Projektionen entstehen, während man sich mit einem Profil beschäftigt? Auch die, die am Anfang einer Beziehung entstehen? Gibt es dafür eine Müllkippe in einem Paralleluniversum? Besser noch eine Recycling-Anlage um an anderer Stelle von ihr zu profitieren? Ich hatte immer schon ein komisches Gefühl bei Dating-Apps. Manche beschrieben mir das was man da betreibt als „Marktwert-Testen“. Ich verstand auch das nicht so richtig. Mir kommt es so vor, als testet man in erster Linie den virtuellen Marktwert. Nicht mal wirklich. Man testet in erster Linie den Marktwert seines Profilbilds und regt damit…

  • Mein altes Beziehungsmuster – Morgendliche Stolpersteine

    Liebes Tagebuch, ich fahre in der Regel mit dem Fahrrad zur Arbeit. Es gibt ein kleines Stück, wo kein Fahrradweg am Rande der Straße verläuft, da habe ich um die 700 m auf der allgemeinen Fahrbahn zu fahren. Bis zum Punkt an dem der Straße wieder ein Radweg anknüpft. Ich kann also nach rechts ausscheren und muss über die extra abgesenkte Bordsteinstelle, um auf den Fahrradweg zu gelangen und weiterfahren zu können. Generell habe ich dieses kleine Kindheits-Trauma von diesem ohne genug Schwung von der Straße auf den Bordstein fahren, dabei hängen bleiben und vom Fahrrad zu stürzen. Wirklich passiert ist mir das, glaube ich, nur einmal, aber das ist…

  • Meine Momentaufnahmen

    Ein Moment. Viele Aufnahmen. Alle abgeändert. Liebes Tagebuch, überall geht es um den Wunsch nach Achtsamkeit und darum zu lernen im Hier und Jetzt anzukommen. Aber welchen Umgang pflegen wir mit unseren vielen kleinen Momenten? Igrendwie passt da etwas nicht zusammen. Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Scrollt man sich durch Instagram und Co, ahnt man bei jedem zweiten Foto, dass diese Aufnahme keine „Zufallsaufnahme“ gewesen ist.  Selbst bei Aufnahmen untermauert mit den Hashtags „formorereality“ oder „morerealityoninstagram“ etc. habe ich mittlerweile Zweifel daran, ob die Aufnahmen die ja ach so spontan das „Reallife“ darstellen sollen, dies auch wirklich als Momentaufnahme tun. Stattdessen ahne ich, dass auch für diese eine „Momentaufnahme“…

  • Eine Alltagssituation, tausend Gedanken

    Liebes Tagebuch, heute schreibe ich Dir mal einen realen Ausschnitt aus meinem Leben und damit eine konkrete Situation meines Alltags und den dazugehörigen Gedanken. Ich komme gerade von einem Arzttermin und mag Dir gerade mal erzählen, wie überfüllt meine Gedankenwelt sogar bei sowas eingerichtet ist. Ich mache mich auf den Weg zur Praxis, bei weitem viel zu früh für den eigentlichen Termin. Es könnte ja irgendwas unvorhergesehen passieren, dazwischenkommen, was mich doch noch verspäten lassen würde. Darauf will ich immer vorbereitet sein und zu spät kommen kommt für mich nicht in Frage. Jemanden warten lassen erstrecht nicht. Ich bin auf dem Weg und überlege mir wie ich mich gedanklich am…