• Warum ich mich verstecken will

    Liebes Tagebuch, nach dieser verdammt langen Suche nach einem Modell, um mich endlich sicher zu fühlen, fand ich es. Es fing an mit der Erkenntnis für mich, dass ich 1. über meine Umwelt und nichts und niemanden darin die Kontrolle habe und 2. über meine Gedanken und damit meine Gefühle sehr wohl die Kontrolle habe. Das waren die zwei wichtigsten Gamechanger für mein komplettes Ich und mein Leben. Und damit der Beginn mir jedes einzelne Gefühl und damit jeden verbundenen Gedanken bewusst zu machen, um damit umzugehen. Bis ich schließlich merkte, dass durch diese tägliche Übung die Lücken zwischen Gedanken, Gefühl und Reaktionen auf diese, immer größer wurden, was Annahme…

  • Was macht die denn da? – Meditation und Bewertung

    Sitze ich regungslos im Park, denke ich, dass gleich jemand kommt und denkt, er müsse fragen, ob es mir denn gut ginge. Schließe ich meine Augen in der Straßenbahn oder auf irgendeiner Bank in meiner Stadt, denke ich, dass der nächste Mensch, der vorbei läuft denken könnte: „Ohje, die Arme, ist sie so müde, dass sie hier schlafen muss?“. Mache ich meine kleinen Atemübungen im Fitnessstudio oder im Café, in dem ich mich gerade an den Tisch setzte, um mich mal kurz zu sammeln und zu mir zu finden, denke ich, dass mich die Person am Nachbartisch beobachtet und bestimmt das Gefühl bekommt, sie müsse intervenieren, bevor mein Kreislauf gleich…

  • Meine Fernbeziehung

    Liebes Tagebuch, Die Fernbeziehung nervt. Was mir am Anfang wie ein Sicherheitsanker vor kam, wie das Gefühl, so nicht zu viel vom eigenen Leben, was ich gerade so begann alleine hinzubekommen, aufzugeben, fühlt sich jetzt gerade scheiße an. Ich bin so abhängig von den komprimierten Stunden, gefüllt mit unseren komprimierten Konversationen, Launen und Gefühlen. Dieses Gefühl sich schneller zu verändern, sich zu erfahren als dass man es überhaupt am Wochenende aufholen kann. Geschweige denn erklären, wo man gerade steht. Ich mag sie gerade nicht. Ich mag uns. Aber ich mag diese Wochenendbeziehung gerade nicht. Vielleicht haben wir auch einfach noch nicht den Dreh raus. Liegt es nun daran, dass wir…

  • Diese Drei Worte

    In Liebesromanen und Filmen ist es doch irgendwie meisten so, dass die richtige Beziehung, dieses „Ernsthafte“ damit beginnt, dass der Mann seiner Angebeteten seine Liebe gesteht. Häufig wird die Protagonistin in genau diesem Moment von allen vorherigen Zweifeln und Überlegungen und nicht selten vielen Höhen und Tiefen zuvor, in genau dieser Sekunde befreit. Nun bin ich hier. Ehrlich gesagt fühlt es sich verdammt nach einem dieser Romane und ja, ich finde mich auch in der ein oder anderen Szene wieder, die original aus dem Drehbuch einer Liebeskomödie stammen könnte. An diesen Tagen denke ich mir: Wieso sollten wir darüber reden? Ich kann es in allem erkennen. Ich brauche eigentlich keine…

  • Was ich aus Deinem Schweigen mache

    Liebes Tagebuch, Jedes Mal wenn Du in Worten herum druckst und nichts Klares äußerst, kriege ich Angst, dass ich Dir zu viel bin. Jedes Mal wenn Du mich nicht anschaust, wenn ich etwas sage, denke ich, Du hast zu wenig Interesse für mich. Jedes Mal wenn Du mit Deiner Antwort lange auf Dich warten lässt, nachdem ich Dich etwas fragte, denke ich, dass Du keine Lust hast Dich mit meinen Themen auseinander zu setzen. Jedes Mal wenn Du mit einer Floskel reagierst, nachdem ich gerade ein Gespräch begonnen habe, denke ich, ich bin Dir zu anstrengend. Jedes Mal wenn Du meine Aussagen übergehst und einfach zu einem anderen Thema wechselst,…

  • Mein Versuch mich sicher zu fühlen: Anpassung

    Liebes Tagebuch, „Man merkt so richtig, dass Du Dich voll für jeden Menschen interessierst!“, sagt L. zu mir, nachdem wir die Gruppenarbeit beenden. Ich grinse freundlich und nicke ihr irgendwie ein bisschen zustimmend zu während ich überlege das wievielte Mal ich diese Aussage nun höre. In dieser oder einer ähnlichen Version. Und warum ich eigentlich nicke. Ja, das stimmt. Ich interessiere mich für Menschen. Ich studiere sogar eine der vielen Wissenschaften, die sich mit Menschen beschäftigt, denn vor allem interessiere ich mich für alles, was in einem Menschen vorgeht. Dieses Interesse nimmt manchmal ein so großes Ausmaß an, dass es unangenehm werden kann. Nicht für die anderen. Für mich. Wie…

  • Mein Versuch mich sicher zu fühlen: Anerkennung

    Liebes Tagebuch, Blättere ich durch meine alten Tagebücher, dann wird mir ganz komisch. Wahrscheinlich weil sich beim Lesen mein blöder Verdacht bestätigt. Lese ich diese Einträge, möchte ich abwechselnd mit dem Kopf schütteln oder direkt mein vergangenes Ich. Aber meistens möchte ich es einfach in den Arm nehmen und ihm sagen: „Das, was Du hier machst, brauchst Du gar nicht…“ In all meinen Tagebüchern definiere ich mich zu 90 Prozent über das, was andere von mir halten. Über Beziehungen, Freundschaften und die Männer. Zwischen all diesen Kontakten, Treffen, Gesprächen, suchte ich Bestätigung und Anerkennung. Ich suchte nicht danach, ich betrieb einen hohen Aufwand, um regelmäßig mit Anerkennung abgedeckt zu sein.…

  • Ich betrüge ihn

    Definition von „Betrügen“ laut Deutscher Duden online, 2019: bewusst täuschen, irreführen, hintergehen durch Betrug um etwas bringen Ich habe solche Angst betrogen zu werden. Ich habe Angst körperlich betrogen aber vor allem habe ich Angst emotional betrogen zu werden. Und ich? Ich betrüge jeden Tag. Ich betrüge meinen Freund. In tausend Sekunden über den Tag verteilt ein kleines bisschen. Bis ich am Ende des Tages die Betrügerin bin. Ich bin mal wieder viel früher wach als Du. Ich bin ganz leise, krabbele aus dem Bett und versuche lautlos etwas zu machen, damit ich Dich nicht aufwecke. Was sich schwierig gestaltet in einer Ein-Zimmer-Wohnung und ich wäre gerade gerne laut, weil…

  • Mein altes Beziehungsmuster – Morgendliche Stolpersteine

    Liebes Tagebuch, ich fahre in der Regel mit dem Fahrrad zur Arbeit. Es gibt ein kleines Stück, wo kein Fahrradweg am Rande der Straße verläuft, da habe ich um die 700 m auf der allgemeinen Fahrbahn zu fahren. Bis zum Punkt an dem der Straße wieder ein Radweg anknüpft. Ich kann also nach rechts ausscheren und muss über die extra abgesenkte Bordsteinstelle, um auf den Fahrradweg zu gelangen und weiterfahren zu können. Generell habe ich dieses kleine Kindheits-Trauma von diesem ohne genug Schwung von der Straße auf den Bordstein fahren, dabei hängen bleiben und vom Fahrrad zu stürzen. Wirklich passiert ist mir das, glaube ich, nur einmal, aber das ist…